Schlagartig ist Alles anders   
Leben nach einem Schlaganfall 
 
 
 

Alltagsbewältigung

 

„ Alle Menschen befinden sich von der Geburt bis zum Tod im Fluss des Lebens. Dieser Fluss hat Biegungen, Strudel, Stromschnellen und ruhig fließende Abschnitte.

In den ruhigen Abschnitten kann man sich ausruhen, die Situation genießen und neue Kräfte sammeln.

An den schwierigen Stellen müssen alle Kräfte mobilisiert werden.“

Fluss des Lebens (Metapher von Aaron Antonovsky) 



Ein Schlaganfall stellt sowohl für die betroffene Person als auch für die mitbetroffenen Angehörigen eine solch schwierige Stelle des Lebensflusses dar.

Während der Akutphase auf der "Stroke Unit" und dem anschließenden Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung ist man von vielen "helfenden Händen" umgeben. Als noch größere Herausforderung habe ich daher die Bewältigung des Alltags erlebt, als ich endlich wieder zu Hause war.

Bevor ich auf die verschiedenen Beratungs- und Unterstützungsangebote am Wohnort eingehen werde, möchte ich kurz zum besseren Gesamtverständnis auf das Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation des Erwachsenen eingehen und die ersten Phasen kurz erläutern.


Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation des Erwachsenen

Medizinische Leistungen der Rehabilitation, zu denen die Phasen A, B,C und D der neurologischen Rehabilitation gehören, sollen eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abwenden, beseitigen, mindern, ausgleichen, ihre Verschlimmerung verhüten oder ihre Folgen mindern.


Phasen A,B und C der neurologischen Rehabilitation

Bei Vorliegen eines Schlaganfalls wird man bestenfalls direkt in ein Krankenhaus mit einer Stroke Unit gebracht (Phase A). Falls nach der Akutphase der Gesundheitszustand noch intensivmedizinische Überwachung und ggf.  intensivmedizinisches Handeln notwendig macht, erfolgt eine Verlegung in eine Abteilung der Phase B (Frührehabilitation). Für diese Verlegung ist kein gesonderter Antrag notwendig.

Hat sich der Gesundheitszustand soweit stabilisiert, dass zwar noch Pflege, aber keine intensivmedizinische Überwachung mehr notwendig ist, kann die Verlegung direkt vom Akutkrankenhaus in eine Rehabilitationseinrichtung erfolgen, die für die Phase C der neurologischen Rehabilitation geeignet ist. Der Sozialdienst des Akutkrankenhauses stellt möglichst frühzeitig einen Antrag auf Rehabilitation der Phase C beim voraussichtlich zuständigen Kostenträger und erkundigt sich nach freien Plätzen in Rehabilitationseinrichtungen (Wünsche des Betroffenen werden in der Regel berücksichtigt).

Sind die Einschränkungen nach dem Schlaganfall nur leicht ausgeprägt, kann sich an die Phase A auch direkt (oder spätestens nach 14 Tagen im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung AHB) die Phase D anschließen.

Die Phasen D und E der neurologischen Rehabilitation erkläre ich ausführlich am Ende dieser Seite.

 

Entlassmanagement

In engem Zusammenhang mit den ersten Phasen der neurologischen Rehabilitation steht die Beratung des Betroffenen und der Angehörigen vor Entlassung aus der Akutklinik bzw. der Rehabilitationseinrichtung. Möglichst frühzeitig soll der individuelle Bedarf für die Anschlussversorgung ermittelt und ein Entlassplan verfasst werden. Dies geschieht idealerweise in einem multidisziplinären Team, das aus ärztlichem, pflegerisch tätigem und therapeutischem Personal sowie dem Sozialdienst besteht.


Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung KBV können im Rahmen des Krankenhaus-Entlassmanagements folgende Leistungen veranlasst werden:

  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen für bis zu 7 Kalendertage 
  • Arzneimittel regulär mit der kleinsten Packungsgröße, während der Coronavirus-Pandemie bis zur größten Packungsgröße 
  • Heilmittel-Verordnung für bis zu 7 Kalendertage 
  • Hilfsmittel-Verordnung für bis zu 7 Kalendertage 
  • Häusliche Krankenpflege-Verordnung für die bis zu 7 Kalendertage 
  • Krankenbeförderung: Entlassfahrt 
  • Soziotherapie-Verordnung für bis zu 7 Kalendertage 
  • SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung)-Verordnung ist in der Regel längstens für 7 Tage
  • Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI 
  • Haushaltshilfe nach § 38 SGBV

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland UPD gibt auf ihrer Seite ausführliche Informationen zum Entlassmanagement:

https://www.patientenberatung.de/de/gesundheit/gesundheitsinformation/themenspecial-entlassmanagement


Seit 2018 biete das Universitätsklinikum Bonn den Angehörigen von pflegebedürftigen Patienten Unterstützung in vielfältiger Weise an:

https://www.ukbonn.de/42256BC8002AF3E7/direct/familiale-pflege




Case-Management

Das Beta-Institut gemeinnützige GmBH definiert Case Management folgendermaßen: "Case Management steht für die individuelle Begleitung von Menschen während einer Erkrankung bzw. schweren Lebenssituation. Konkret erfolgt nach der Ermittlung des jeweiligen Unterstützungsbedarfs eines Patienten die Koordination medizinischer und sozialer Dienstleistungen. Case Management dient auch der effektiven und effizienten Steuerung von Leistungen im Gesundheitswesen." In enger Kooperation mit dem Klinikum Augsburg hat das Beta-Institut gemeinnützige GmBH von 07/2005 bis 09/2011 das Modellprojekt "PatientenNetz: Augsburger Begleitstelle Schlaganfall" durchgeführt:

https://www.beta-institut.de/files/betaInstitut/download/patientennetz-schlaganfall.pdf


Von 2010 bis 2015 wurde ein vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW gefördertes Lotsen-Projekt gefördert. 140 ehrenamtlich tätige Personen wurden ausgebildet, um für Menschen mit Behinderung bzw. chronischer Erkrankung Wegweiser*innen und Vermittler*innen zu sein. Im Regierungsbezirk sind noch 19 Personen in dieser Funktion tätig:

https://lotsen-nrw.de/de


Als Case-Manager fungieren auch die Schlaganfall-Lotsen, die  seit einigen Jahren in enger Kooperation mit der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe ausgebildet und eingesetzt werden. Die Schlaganfall-Lotsen haben meist eine abgeschlossene pflegerische oder therapeutische Ausbildung und begleiten die Betroffenen und ihre Familien nach dem Schlaganfall ein Jahr lang (siehe Modellprojekt "STROKE OWL" in Ostwestfalen-Lippe). Bereits im Krankenhaus erfolgt die Kontaktaufnahme zu den Schlaganfall-Patienten, danach besuchen die Lotsen die Betroffenen sowohl in der Rehaklinik als auch später zu Hause und halten telefonisch Kontakt. Finanziert werden die bisherigen Lotsen-Projekte, die an unterschiedliche Einrichtungen angegliedert sind, von Städten, Krankenhäusern, Ärzteverbänden oder Fördervereinen. In Bonn und Umgebung gibt es leider bisher keine Schlaganfall-Lotsen.

Für Eltern schlaganfallbetroffener Kinder (immerhin an die 5.000 Betroffene in Deutschland!) bietet die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe Beratung durch zwei Schlaganfal-Kinderlotsen an:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/Medien-_und_Warenkorb/kinder-schlaganfall-lotsen.pdf


Schlaganfallhelfer*innen begleiten und unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen in ihrem Lebensalltag. Sie sind ehrenamtlich tätig und sollten über die Versorgungstrukturen am Wohnort des Betroffenen gut informiert sein, um z. B. einen Kontakt zu einer Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe anzubahnen. Ähnlich wie bei den Schlaganfall-Lotsen ist eine kontinuierliche Begleitung über einen längeren Zeitraum vorgesehen. In Bonn und Umgebung gibt es leider bisher keine Schlaganfallhelfer*innen. Über die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe kann man sich bei Interesse zur Schlaganfallhelferin/zum Schlaganfallhelfer ausbilden lassen (den theoretischen Teil kann man neuerdings auch online absolvieren):

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/das-tun-wir/aktivitaeten/schlaganfall-helfer




BERATUNGSANGEBOTE AM WOHNORT

Zur Information vor einem persönlichen Beratungsgespräch ist die Broschüre des MAGS meiner Meinung nach gut geeignet, obwohl sie nicht ganz aktuell ist (in 09/2018 veröffentlicht) :

https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/mags-job-ratgeber-innenseiten_final_barrierefrei_final.pdf

 

Auch der Ratgeber der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe hilft dabei, einen Überblick über mögliche finanzielle Hilfen zu erhalten:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/Medien-_und_Warenkorb/broschuere_wege_zu_sozialleistungen.pdf



Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)

Neben dem Anspruch auf Beratung durch die Leistungsträger und Leistungserbringer (Gesetzliche Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung) besteht auch die Möglichkeit, sich bereits im Vorfeld der Beantragung konkreter Leistungen von der EUTB beraten zu lassen. Dort erhält man Informationen über Rehabilitations- und Teilhabeleistungen nach dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) und wird bezüglich der Antragsstellungen beraten. Bei der Beratung wird beispielsweise erörtert, ob ein Anspruch auf Leistungen im Rahmen der Eingliederungshilfe (SGB IX, Teil 2 "Eingliederungshilferecht": Leistungen der sozialen Teilhabe, der Teilhabe an Bildung und der Teilhabe am Arbeitsleben) besteht oder ob ein "Persönliches Budget" (SGB IX, § 29) in Frage kommt. Auch Fragen zum Nachteilsausgleich für Behinderte können von der EUTB beantwortet werden.

In Bonn gibt es zwei Beratungsstellen für die EUTB:

http://www.eutb-bonn.de/
https://www.hannelore-kohl-stiftung.de/eutb-meh/eutb-znsstartseite/


Im Rhein-Sieg-Kreis bietet der Paritätische Wohlfahrtsverband die EUTB an:

https://rhein-sieg.paritaet-nrw.org/was-wir-machen/teilhabeberatung/

 

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziales bis 2022 geförderten Projektes "Umsetzungsbegleitung BTHG (Bundesteilhabegesetz)" hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. auf folgender Internetseite einen BTHG-Kompass erstellt:

https://umsetzungsbegleitung-bthg.de/bthg-kompass/gesamtansicht/




Der Verein Sozialhummel e. V. hat sich auf den Assistenzdienst für Menschen mit Behinderung spezialisiert. Der Verein organisiert 12- bzw. 24-Stunden-Dienste in den Regionen, Bonn, Rhein-Sieg-Kreis und Köln. Darüber hinaus führt er natürlich auch allgemeine Beratung (Persönlichen Budget, zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Pflegeberatung etc.) durch. Die Beratung wird von Menschen durchgeführt, die selbst von Behinderung betroffen sind:

https://sozialhummel.de/



Kompetente Beratung erhält man auch bei BonnaVita e. V.. Zudem bietet dieser Verein konkrete Entlastung im Pflegealltag an:

https://www.bonnavit.de/index.html



Bei sozialrechtlichen Fragen kann man sich vom Sozialverband VDK Deutschland e. V. beraten und auch vor Gericht vertreten lassen, wenn das eigene Recht gegenüber Behörden und Sozialversicherungsträgern gerichtlich erstritten werden muss. Voraussetzung für den Rechtsbeistand durch den VDK ist eine Mitgliedschaft im VDK (zur Zeit 5,50 €/Monat).

https://www.vdk.de/kv-bonn-rhein-sieg/ID247599


Auch der BDH Bundesverband Rehabilitation mit Sitz in Bonn führt eine sozialrechtliche Beratung durch, die für Mitglieder kostenlos ist (Mitgliedsbeitrag 5,- €/Monat):

https://www.bdh-reha.de/de/infos-beratung/sozialrechtliche-beratung.php?navid=833686833686


Praktische Hilfen in Rechtsfragen gibt auch der Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V. auf seiner Internetseite:

https://bvkm.de/recht-ratgeber/



Behindertenbeauftragte sind ebenfalls für Information und Beratung zuständig. In Bonn liegt die Besonderheit vor, dass es sich bei dem Behindertenbeauftragten der Stadt Bonn nicht um eine Person, sondern um einen Verein handelt:

https://bgbonn.org/


Im Rhein-Sieg-Kreis gibt es in vielen Städten des Kreises (ehrenamtliche) Behindertenbeauftragte, die Beratungen durchführen. Die Kontaktdaten findet man im "Wegweiser für Menschen mit Behinderung" auf den Seiten 68 und 69:

https://www.rhein-sieg-kreis.de/gesundheit-soziales/behinderung-inklusion/wegweiser-fuer-menschen-mit-behinderung.php


Auch das Gesundheitsamt der Stadt Bonn hat eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung eingerichtet:

https://www.bonn.de/vv/produkte/Beratung-fuer-Menschen-mit-Behinderung.php



Sozialpsychiatrische Beratung

Während meiner jahrelangen Tätigkeit im Kreisgesundheitsamt Mettmann habe ich sehr gute Erfahrungen mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst gemacht. Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet Menschen mit psychischen Problemen und deren Angehörigen Unterstützung in Konflikt- und Krisensituationen an. Auch das Gesundheitsamt Bonn bietet diesen niedrigschwelligen, kostenlosen Beratungsdienst an:

https://www.bonn.de/vv/produkte/Sozialpsychiatrischer-Dienst-Beratungen.php



Pflegeberatung

Alle, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, können bei Pflegebedürftigkeit die soziale Pflegeversicherung (SGB XI)  in Anspruch nehmen. Wer privat krankenversichert ist, muß eine private Pflegeversicherung abschließen. Die gesetzlichen Krankenkassen nehmen die Aufgaben der sozialen Pflegeversicherung war: Die Krankenkasse, bei der man gesetzlich versichert ist, ist auch zuständig für die Pflegeversicherung des Betroffenen. Nach Eingabe des Stichwortes "Pflegeversicherung" erhält man daher auf den Internet-Seiten der gesetzlichen Krankenkassen zahlreiche Informationen und Beratungsangebote.

Zeichnet sich der Eintritt von Pflegebedürftigkeit ab, haben der behandelnde Arzt, das Krankenhaus, die Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen sowie die Sozialleistungsträger unverzüglich die zuständige Pflegekasse zu benachrichtigen. Voraussetzung für diese Benachrichtigung ist natürlich das Einverständnis des Betroffenen.  Die zuständige Pflegekasse nimmt dann nach Eingang des Antrags auf Leistungen nach dem SGB XI Kontakt zum Versicherten auf. Die Begutachtung wird durch den Medizinischen Dienst der Kankenkassen (MDK) durchgeführt. Spätestens fünf Wochen nach der Begutachtung muss die Pflegekasse den Antragsteller schriftlich über das Ergebnis informieren.

Leistungen der Pflegeversicherung werden ab dem Datum der Antragstellung erbracht (Ausnahme: Wurde der Antrag noch während des stationären Aufenthaltes gestellt, werden die Leistungen erst nach Entlassung erbracht).

Für die Pflegekassen besteht nach dem Gesetz eine Verpflichtung, Betroffene zu beraten, und zwar auch schon vor der Bewilligung eines Antrages.


Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) definiert Pflegebedürftigkeit folgendermaßen: "Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – und mindestens in der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen."


Die anschaulichste Information über den Vorgang der Einstufung und die Bedeutung der 5 Pflegegrade nach SGB XI, § 15 habe ich auf der Seite der Verbraucherzentrale gefunden:

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflegeantrag-und-leistungen/was-pflegegrade-bedeuten


Ebenfalls auf der Seite der Verbraucherzentrale habe ich eine gut verständliche Erklärung der Kosten, die bei vollstationärer Pflege in einem Heim zu erwarten sind, gefunden:

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-im-heim/kosten-im-pflegeheim-13906


Die folgende Grafik des Verbandes der Ersatzkassen vdek vom 1. Juli 2021 liefert einen Überblick über die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen in der stationären Pflege:

https://www.vdek.com/daten/f_pflegeversicherung/spv_finanzielle_belastung_pflegebeduerftiger_stationaer_saeulen.jpg



In der folgenden Tabelle habe ich die wichtigsten monatlichen Leistungen in Bezug zu den Pflegegraden zusammengestellt (Stand: 4. Juni 2021):

HINWEIS: Ab dem 1. Januar 2022 ist eine Erhöhung der Beiträge vorgesehen.

WICHTIG: Übersteigen die Kosten den oben genannten Festbetrag, muss die Differenz vom Pflegebedürftigen bezahlt werden. Ist dieser dazu nicht in der Lage, kann man sich an das örtliche Sozialamt wenden. Das Sozialamt prüft dann, ob Angehörige unterhaltspflichtig sind. Laut BMG gelten als Angehörige insbesondere: Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen Gemeinschaft, Großeltern, Eltern, Geschwister, Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder, Enkelkinder sowie die Schwiegereltern und Schwiegerkinder.

Die  Betreuungs- und Entlastungsleistung in Höhe von 125,- € monatlich wird ab Pflegegrad 2 zusätzlich zu den anderen Leistungen gewährt. Diese Summe steht aber nicht zur freien Verfügung, sondern es werden von diesem Betrag von der Pflegekasse Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes erstattet, die der  Förderung der Selbständigkeit im Alltag oder Entlastung pflegender Angehöriger dienen (z. B. haushaltsnahe Dienstleistungen wie Einkaufen, Kochen, Putzen, aber auch Vorlesen, Spazierengehen etc.). Auf folgender Internetseite sind alle in Nordrhein-Westfalen anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag (UIA) aufgelistet:

https://angebotsfinder.nrw.de/uia/angebotsfinder


Den Betrag für die Beteuungs- und Entlastungsleistung kann man auch bei der Pflegekasse "ansparen" und die Summe z. B. für den Eigenanteil bei der teilstationären Pflege, der Kurzzeitpflege und der Verhinderungspflege verwenden. Wird das "angesparte" Geld jedoch nicht genutzt, verfällt die gesamte Summe am 30.06. des Folgejahres.


Pflegegeld erhält man, wenn die Pflege durch einen Angehörigen/Bekannten sichergestellt wird. Unter der Pflegesachleistung wird die professionelle Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst verstanden, die dann einsetzt, wenn kein Angehöriger/Bekannter die Pflege übernehmen kann. Bei der Kombinationsleistung erhält man die Sachleistung durch einen ambulanten Pflegedienst; wird dabei die Summe nicht voll ausgeschöpft, erhält der Angehörige/Bekannte, der gelegentlich zur Unterstützung zur Verfügung steht, einen prozentualen Anteil an der Differenzsumme.

Wichtig zu wissen: Während eines Jahres kann man zwischen dem Bezug von Pflegegeld, dem Bezug der Pflegesachleistung und dem Bezug der Kombinationsleistung wechseln.

Unter Kurzzeitpflege wird die zeitweise Pflege in einer stationären Pflegeeinrichtung verstanden (maximal 8 Wochen/Jahr). Ab dem Tag der Einstufung der Pflegebedürftigkeit (mindestens Pflegrad 2) hat jeder Anspruch auf Kurzzeitpflege, der Pflegegeld, Sachleistung oder Kombinationsleistung bezieht. Verhinderungspflege kann man frühestens 6 Monate nach Leistungsbeginn beantragen, wenn man entweder Pflegegeld oder Kombinationsleistung bezieht. Diese kann stationär  (maximal 6 Wochen/Jahr) oder auch nur stundenweise (bis 8 Stunden/Tag) erfolgen. Diese ambulante Verhinderungspflege kann sowohl von ambulanten Pflegediensten als auch von Nachbarn oder Freunden durchgeführt werden, nicht aber von anderen Angehörigen bis zum 2. Verwandschaftsgrad. Für Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege  erhält man 1.612,- €  pro Kalenderjahr. Die gesamte Summe für die Verhinderungspflege kann man für die Kurzzeitpflege verwenden. Umgekehrt kann man jedoch nur maximal die Hälfte der Summe für die Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege verwenden.

Auf der folgenden Internetseite des NRW-Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales findet man tagesaktuell z. B. Kurzzeitpflegeplätze (auch als App verfügbar):

https://www.heimfinder.nrw.de/



Laut Pflegezeitgesetz haben Berufstätige Anspruch auf bis zu zehn Tage unbezahlte Freistellung, wenn Sie einen nahen Angehörigen pflegen. Als teilweise Entschädigung für den Verdienstausfall kann man bei der Pflegekasse Pflegeunterstützungsgeld beantragen. Voraussetzung ist eine Bescheinigung eines Arztes, dass eine Pflegesituation in der Familie akut eingetreten oder ein naher Angehöriger akut pflegebedürftig ist. Im Pflegezeitgesetz wird auch die Möglichkeit aufgezeigt, sich bis zu 6 Monate freistellen zu lassen, ohne dass dadurch der Arbeitsplatz gefährdet wird.



Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) findet man  einen digitalen Helfer für Pflegeleistungen:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege.html


Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Internetseite für Pflegebedürftige und Angehörige erstellt:

https://www.pflegewegweiser-nrw.de/



Auf der Internet-Seite des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) -eine gemeinnützige, operative Stiftung mit Sitz in Berlin- erhält man einen guten Überblick über Pflegeberatungsstellen in der Region.

Pflegeberatung in Bonn:

https://www.zqp.de/beratung-pflege/?lat=50.73743&lng=7.0982068&filter=2


Pflegeberatung im Rhein-Sieg-Kreis:

https://www.zqp.de/beratung-pflege/?lat=50.7922467&lng=7.2071586&filter=2



Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat auch einige sehr gute Ratgeber zum Thema Pflege herausgegeben, unter anderem diesen Ratgeber:

https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP_Ratgeber_GutePflegeerkennen.pdf


Auf der Seite der Selbsthilfekontaktstelle Bonn sowie der Selbsthilfekontaktstelle Rhein-Sieg-Kreis kann man sich über Selbsthilfegruppen pflegender Angehöriger informieren sowie einige Anregungen für die Selbstfürsorge erhalten:

https://www.selbsthilfe-bonn.de/content/e1469/
https://www.selbsthilfe-rhein-sieg.de/content/e1524/



Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) bietet speziell für pflegende Angehörige einen dreitägigen Gruppenflegekurs mit dem Schwerpunkt neurologische Erkrankungen an:

https://www.ukbonn.de/42256BC8002AF3E7/direct/familiale-pflege


Die Stadt Bonn hat neben einem Seniorenwegweiser "Solidarität" auch einen Flyer "Pflegerische Hilfen und Unterstützungs-und Entlastungsangebote" veröffentlicht, in dem viele Adressen aufgelistet sind:

https://www.bonn.de/themen-entdecken/soziales-gesellschaft/tipps-und-hinweise.php


In Bonn bieten folgende Wohlfahrtsverbände ambulante Pflegedienste an:

https://www.diakonischeswerk-bonn.de/ambulante-pflege/kontakt-team-des-pflege-und-gesundheitszentrums-pgz/
https://caritas-bonn.de/pflege_und_senioren/ambulante_pflegedienste/
https://www.parisozial-bonn.de/content/
https://www.awo-bonn.de/pflege.html



Folgende Internetseite ist von einem pflegenden Angehörigen verfasst worden und enthält zur Kostendeckung der inzwischen sehr umfangreichen Internetseite Werbung von Firmen, die speziell auf dem Pflegemarkt tätig sind:

https://www.pflege-durch-angehoerige.de/




GESETZLICHE BETREUUNG

Beim Vorliegen einer Vorsorgevollmacht hat die betroffene Person zu einem Zeitpunkt, als sie noch ihre Angelegenheiten selber regeln konnte, eine Person als ihre gesetzliche Betreuung bestimmt.

Der Einsatz einer gesetzlichen Betreuung macht Sinn, wenn  eine Person aufgrund von Krankeit oder Behinderung bestimmte Angelegenheiten nicht mehr selbständig regeln kann. Dies kann z. B. auch beim Vorliegen einer globalen Aphasie der Fall sein.

Den Antrag beim Amtsgericht stellt entweder die betroffene Person selber oder ein/e Angehörige/r. Nach Befragung der betroffenen Person und Einholen eines medizinischen Gutachtens wird vom Amtsgericht geprüft, ob und in welchem Umfang eine Betreuung erforderlich ist. Angehörige sind nicht automatisch bevollmächtigt, können aber vom Amtsgericht nach Überprüfung als gesetzliche Betreuungspersonen bestimmt werden. Wenn es keine Angehörige oder Bekannte gibt, die die Betreuung übernehmen könnten, bestimmt das Amtsgericht eine gesetzliche Betreuungsperson.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) hat im Juni 2020 eine umfassende Broschüre zum Thema "Gesetzliche Betreuung" und "Vorsorgevollmacht" herausgebracht:

https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Betreuungsrecht.pdf?__blob=publicationFile&v=34


 


SCHWERBEHINDERTENAUSWEIS

Die Voraussetzungen für die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises sind im neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen) geregelt.

Einen Schwerbehindertenausweis kann man beantragen, wenn man eine körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigung hat und man durch diese Beeinträchtigung mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft gehindert wird (siehe SGB IX, § 2, Absatz 1). Eine körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigung liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht.

Als schwerbehindert gelten Menschen, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt (siehe SGB IX, § 2, Absatz 2).

Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, die infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten können, sollen schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden (siehe SGB IX, § 2, Absatz 3).

Ist dem Antrag auf Schwerbehinderung bzw. Gleichstellung stattgegeben worden,  gelten die Nachteilsausgleiche ab Datum des schriftlichen Antrages. Man kann aber nach Erhalt des Bescheides einen Antrag auf eine zusätzliche Bescheinigung stellen, dass der Grad der Behinderung (GdB) und die Berechtigung für im Ausweis eingetragene Merkzeichen schon früher vorgelegen haben, z. B. seit dem Akutereignis Schlaganfall. Für manche Nachteilsausgleiche ist dies von Vorteil.

Für die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises wendet man sich in Bonn an die Dienststelle „Behindertenangelegenheiten“ des Amtes für Soziales und Wohnen der Stadt Bonn. Nach einem Klick auf den folgenden Link öffnet sich die entsprechende Internet-Seite:

https://www.bonn.de/vv/produkte/Schwerbehindertenausweis.php


Für die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises wendet man sich im Rhein-Sieg-Kreis an das Kreisversorgungsamt. Nach einem Klick auf den folgenden Link öffnet sich die entsprechende Internet-Seite:

https://www.rhein-sieg-kreis.de/vv/produkte/versorgungsamt/Schwerbehindertenausweis.php



Informationen über die Bedeutung der Merkzeichen auf dem Schwerbehindertenausweis erhält man auf der Internetseite des Sozialverbandes VDK Deutschland:

https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/12733/der_schwerbehindertenausweis_merkzeichen


Auf der Internetseite des Sozialverbandes VDK Deutschland findet man auch sehr ausführliche Informationen über den bekannten blauen Parkausweis aber auch den unbekannteren orangefarbenen Parkausweis:

https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9229/behindertenparkplaetze?dscc=ok



Einen sehr guten Überblick über die  Nachteilsausgleiche bei Behinderung liefern folgende Tabellen:

https://www.betanet.de/files/pdf/nachteilsausgleiche-merkzeichen.pdf
https://www.betanet.de/files/pdf/nachteilsausgleiche-gdb.pdf




MOBILITÄT

Krankenbeförderung

Bei den gesetzlichen Krankenkassen kann man ausführliche Informationen darüber einholen, welche Fahrkosten übernommen werden können und in welchen Fällen vorab eine Genehmigung einzuholen ist.

Einen guten Überblick, was die Ärztin/der Arzt überhaupt bzgl. Fahrten verordnen darf, kann man sich mit der Praxisinformation der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) verschaffen:               

https://www.kbv.de/media/sp/Praxisinformation_Krankenbefoerderung.pdf


Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat hierzu auch eine Information herausgegeben:               

https://www.patientenberatung.de/dokumente/recht_service/Fahrkosten.pdf



Fahrdienst der Bundesstadt Bonn
Einwohnerinnen und Einwohner der Bundesstadt Bonn, die wegen einer wesentlichen körperlichen Behinderung in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, können den Bonner Fahrdienst für Menschen mit Behinderung nutzen.

Der Fahrdienst ist auf das Gebiet der Bundesstadt Bonn beschränkt.

Voraussetzung für die Nutzung dieses Fahrdienstes ist, dass nicht anderweitig sichergestellt werden kann, dass der Kontakt mit der Umwelt erhalten sowie am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilgenommen wird und persönliche Besorgungen selbst erledigt werden können. Bei Antragstellung muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden. Fahrten zu Ärzten, zu medizinischen Behandlungen, zur schulischen Ausbildung oder zur Arbeit werden nicht vom Fahrdienst der Stadt Bonn übernommen.

Maximal 30 Einzelfahrten sind pro Quartal auf Kosten der Bundesstadt Bonn möglich (Hin- und Rückfahrt sind jeweils eine Einzelfahrt).

Nach einem Klick auf den folgenden Link öffnet sich die entsprechende Internet-Seite:              

https://www.bonn.de/vv/produkte/Fahrdienst.php



Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der DB

Der grün-orangefarbene Schwerbehinderten-Ausweis (grün mit halbseitigem orangefarbenen Flächenaufdruck) berechtigt in Kombination mit einer Wertmarke, die inzwischen 91,- €/Jahr  kostetet, zur kostenfreien Fahrt im Nahverkehr überall in Deutschland.  Dazu gehören auch alle Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn (IRE, RE, RB und S-Bahnen) sowie alle Nahverkehrszüge anderer Eisenbahnunternehmen.

Auf der Internetseite vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V. findet man den Erlass/die allgemeine Regelung des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes NRW vom 15. März 2017 bzgl. der Beförderung von E-Scootern in Linienbussen:

https://bvkm.de/ratgeber/e-scooter-erlass/



Umfassende Informationen über das "Bahnfahren ohne Barrieren" liefert die folgende Broschüre der DB:

https://www-ak.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/zielgruppen_-_msc/handicap/mdb_246263_broschuere_reisen_fuer_alle_bf.pdf


Für Fahrten im Fernverkehr der Deutschen Bundesbahn (ICE/IC) braucht man eine reguläre Fahrkarte. Wenn man öfter mit der Bahn unterwegs ist und Fahrkarten für den ICE oder IC günstiger erwerben will, sollte man über den Kauf einer ermäßigten BahnCard nachdenken, die von schwerbehinderten Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 (GdB 70) und von Personen, die wegen voller Erwerbsminderung eine Rente beziehen, erworben werden kann:

https://www.bahn.de/p/view/bahncard/ueberblick/ermaessigte-bahncard.shtml




WOHNUMFELDANPASSUNG

Grundsätzliche Informationen zur Wohnraumanpassung (wie z. B. Teppiche und andere Stolperquellen entfernen) sind der folgenden Broschüre zu entnehmen, die von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe erstellt worden ist:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/PDF/broschuere_hilfsmittel_und_wohnraumanpassung.pdf


Folgende Broschüre ist zwar veraltet, liefert aber wichtige Informationen und Adressen und berät über finanzielle Hilfen für bauliche Veränderungen. Diese Broschüre muss in der Zeit von 2009 bis 2013 verfasst worden sein, als Hubert Hüppe Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen war:

https://www.behindertenbeauftragter.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschuere_Wohnraum_kk.pdf?__blob=publicationFile&v=6


Wie bereits in dem Kapitel "Pflegeberatung" erwähnt, gibt es für gesetzlich Krankenversicherte auch von der Pflegekasse einen Zuschuss für Wohnumfeldverbesserung. Dieser beträgt pro Maßnahme 4.000,- €.



HILFSMITTEL

Einen Überblick über Hilfsmittel im Haus verschafft das Poster von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/PDF/hilfsmittel_im_haus_ueberblick.PDF


Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sollen Hilfsmittel Behinderungen ausgleichen, die Rehabilitation unterstützen oder Menschen mit bereits vorhandenen gesundheitlichen Risiken vor weiteren Risiken bei der Bewältigung ihres normalen Lebens schützen. Detaillierte Informationen liefert die Hilfsmittelrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sowie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) angehören :

https://www.g-ba.de/downloads/62-492-2467/HilfsM-RL_2021-03-18_iK-2021-04-01.pdf


Bereits beim Aufenthalt im Akutkrankenhaus, spätestens aber während der medizinischen Rehabilitationsmaßnahme, lernt man bereits verschiedene Hilfsmittel kennen. Die Hilfsmittelberatung führen in der Regel die Ergotherapeuten durch und können einem die genaue Bezeichnung mit der Nummer des Hilfsmittelverzeichnisses nennen. Aber auch in Sanitätshäusern oder beim Besuch der RehaCare-Messe in Düsseldorf (Internationale Fachmesse für Rehabilitation und Pflege) kann man sich beraten lassen und meist auch einige Hilfsmittel ausprobieren.

Nach Erhalt der Hilfsmittelverordnung von der Ärztin/dem Arzt ist es in der Regel ratsam, dass sich die Patientin/der Patient zunächst an ihre/seine gesetzliche Krankenkasse wendet, die ihr/ihm dann den Hilfsmittelerbringer mitteilt. Bestehen keine Versorgungsverträge zwischen der Krankenkasse und den Hilfsmittelerbringern für den jeweiligen Bereich, kann der Hilfsmittelerbringer frei gewählt werden.


Im Hilfsmittelverzeichnis (incl. Pflegehilfsmittelverzeichnis), das vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) erstellt wurde und kontinuierlich ergänzt wird, sind alle Hilfsmittel gelistet, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden können:

https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/home.action

Aber auch nicht gelistete Produkte können erstattungsfähig sein; diese bedürfen jedoch auf jeden Fall vorab der Genehmigung durch die gesetzliche Krankenkasse auf Grundlage eines eingereichten Kostenvoranschlages. Die gesetzliche Krankenkasse teilt dann im Falle einer Genehmigung des Hilfsmittels schriftlich mit, in welcher Höhe sie die Kosten übernimmt. Manche Hilfsmittel können auch über einen bestimmten Zeitraum gemietet werden; die Mietkosten rechnet der Heilmittelerbringer dann direkt mit der gesetzlichen Krankenkasse ab, die Patientin/der Patient muss dann lediglich die Zuzahlung (siehe oben) übernehmen.


Für folgende Hilfsmittel gibt es Festbeträge, die gesetzlich festgelegt worden sind: Brillen und Kontaktlinsen, Einlagen, Kompressionsstrümpfe und andere Hilfsmittel zur Kompressionstherapie und Stomaartikel.

Für die anderen Hilfsmittel (z. B. Rollator) gelten die Vertragspreise, die die gesetzliche Krankenkasse mit dem Hilfsmittelerbringer vereinbart hat.

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten eines Hilfsmittels in Höhe des Festbetrages bzw. des Vertragspreises. Wie hoch der Krankenkassenzuschuss für die  individuelle Verordnung ist, kann man beim Hilfsmittelerbringer erfahren. Mehrkosten, die sich ergeben, wenn man sich z. B. statt des Rollator-Kassenmodells ein hochwertigeres Modell aussucht, gehen zu Lasten des Kunden.


Wenn der Fall eintritt, dass die Kostenübernahme für ein Hilfsmittel trotz vorliegender ärztlicher Verordnung und Nennung im Hilfsmittelverzeichnis von der gesetzlichen Krankenkasse abgelehnt wird,wäre ein Widerspruch ratsam. Dieser muss innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Ablehnungsbescheides schriftlich (per Post oder Fax wegen der Unterschrift) bei der gesetzlichen Krankenkasse vorliegen. Textbeispiel: "Hiermit widerspreche ich dem Bescheid vomm xx..2021. Eine Begründung wird nachgereicht." Die Begründung kann man dann in Ruhe formulieren und seine Therapeuten um Mithilfe bitten. Meist lässt die Krankenkasse dann durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) die Notwendigkeit des Hilfsmittels prüfen. Nach einiger Zeit erhält man Nachricht, ob dem Widerspruch stattgegeben oder er abgelehnt wurde.


Manche Hilfsmittel lassen sich auch einfach selber bauen. wie z. B. Rampen aus Legosteinen. Eine Kölner Studentin hat ihre Idee zusammen mit dem Verein "Junge Stadt Köln" in die Tat umgesetzt. Seitdem ist das Projekt "100 Rampen für Köln" auch in anderen deutschen Städten umgesetzt worden.
Hier ist die Bauanleitung für die Lego-Rampen:

https://jungestadtkoeln.de/files/Projekte/Lego-Rampen_Bauanleitung.pdf



Aus dem Frust, als quasi Einhänderin immer nur Eis im Hörnchen essen zu müssen, ist dieses Hilfsmittel entstanden:



Meine Allzweckhilfsmittel

Mein Novafon-Gerät sehe ich als absolut wichtiges Hilfsmittel an, da ich durch die Vibrationen dieses Schallwellengerätes meine Spastik der linken Körperhälfte reduzieren und somit auch Schmerzen verringern kann:

https://novafon.com/de/anwendung/selbstanwender

Ich besitze ein älteres Exemplar, das ich seit meinem Schlaganfall regelmäßig anwende. Leider ist das Novafon-Gerät noch nicht in die Hilsmittelliste aufgenommen worden, besitzt aber seit kurzem die Zulassung als Medizinprodukt.


Rutschfeste Unterlagen kann man meiner Meinung nach nie genug haben. Aber es muss nicht immer die kostspielige Variante sein (Photo links), sondern kann auch eine hitzebeständige Silikonmatte aus einem Supermarkt sein (Photo rechts).

Die rutschfesten Unterlagen auf dem linken Photo sind im Hilfsmittelverzeichnis auf folgender Seite zu finden:

https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/produktlisteZurArt_input.action?paramArtId=30



Bestens geeignet sind auch Teller und Schalen für Kinder. Sie sind mit einem Gummiring auf der Unterseite versehen und somit rutschfest:



Meine Hilfsmittel in der Küche

Da ich vor dem Schlaganfall gerne gekocht habe, ich mir das einhändige Kochen am Herd in der Anfangszeit aber nicht zugetraut habe, war ich glücklich über die Anschaffung eines hochwertigen Kochautomaten (statt  eines neuen Staubsaugers von derselben Firma...). Inzwischen koche ich auch wieder traditionell. Dabei benutze ich am liebsten einen Topf mit Stiel sowie einen "Kochkorb aus Edelstahl".

Kleckern in der Küche bleibt beim einhändigen Hantieren nicht aus. Daher ist mir dieser Küchenabroller, den man mit einer Hand bedienen kann, eine wertvolle Hilfe.


Küchenbretter für Einhänder gibt es in den verschiedensten Varianten. Diese Version ("Fixierbrett Lebensmittelzubereitungssystem") ist sehr variabel und hat mir schon oft gute Dienste geleistet. Auf das Teil mit den Nägeln kann man alles Mögliche aufspießen, um dann zu schneiden oder zu schälen: Zwiebeln, Äpfel, Paprika, etc. Auch eine Brotscheibe lässt sich darauf gut zum Schmieren "aufspießen". Das schwarze Teil mit der roten Griffkugel lässt sich verschieben und an gewünschter Stelle durch Herabdrücken des Hebels arrettieren. Zwei Stifte kann man in die zahlreichen Löcher links und rechts des Schlitzes stecken und so den Abstand variieren.

Küchenbretter dieser Art habe ich nicht in der Hilfsmittelliste gefunden. Aber auch nicht gelistete Produkte können erstattungsfähig sein; diese bedürfen jedoch auf jeden Fall vorab der Genehmigung durch die gesetzliche Krankenkasse auf Grundlage eines eingereichten Kostenvoranschlages.

Fast alle hier gezeigten Alltagshilfen habe ich auf folgender Internetseite gefunden:

https://www.alltagshilfen24.com/



Diesen "Verschlussöffner Universal" hat mir mein Mann unter den Küchenoberschrank montiert. Er ist das meistgenutzte Hilfsmittel.



Auch mit Eitrennern habe ich in der Küche experimentiert. Inzwischen trenne ich Eier einhändig ohne Hilfsmittel. Es klappt nicht auf Anhieb, aber nach ein paar Rühreiern gelingt es dann doch und man kann den ersten Baiser herstellen.



Dieses "Schälmesser mit Doppelschneide" (wahlweise mit Saugnäpfen oder Zwinge) habe ich anfangs oft zum Schälen eines Apfels oder zum Kartoffelschälen benutzt. Inzwischen esse ich einen Apfel immer mit Schale und mache meistens Pellkartoffeln.


Die Benutzung von Hilfsmitteln in der Küche wird im folgenden Video des ZNS-Kochclubs gezeigt:

https://www.youtube.com/watch?v=nll-kpAHIrI

Das Rezept für den CousCous-Salat kann man sich nach einem Klick auf folgenden Link herunterladen:

https://www.hannelore-kohl-stiftung.de/Bilder_MitmachenMutmachen/ZNS_Kochclub_-_Rezept_Couscous_Salat.pdf



... und manchmal geht es auch ganz ohne Hilfsmittel - nur eben anders als vor dem Schlaganfall!



Meine Hilfsmittel für unterwegs

Bevor es nach draußen geht, kann ich den Reißverschluss meiner Jacke mit dem Ring-Zipper hochziehen und ohne Zuhilfenahme eines Schuhanziehers in meine Schuhe schlüpfen, die mit elastischen Schnürsenkeln versehen sind.


Nachdem ich für ein paar Stunden einen Rollator Marke "Kassenmodell" ausprobiert hatte, habe ich ihn schnell gegen ein anderes Modell eingetauscht und die Mehrkosten übernommen. Meinen Rollator kann man zusammenfalten. Zudem verfügt er über einen Tritt zum Anheben des Rollators z. B. beim  Einstieg in die Straßenbahn. Den Bremshebel für beide Bremsen habe ich mir auf eine Seite anbringen lassen.

Vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) -eine gemeinnützige, operative Stiftung mit Sitz in Berlin- stammt folgender Ratgeber zur Benutzung eines Rollators:

https://www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP_Ratgeber_Rollator.pdf


Beim Besuch der RehaCare in 09/2016 habe ich auch folgenden Rollator mit Unterarmstütze für den betroffenen Arm ausprobiert:



Inzwischen habe ich drei Stöcke mit unterschiedlichen Griffen. Zusätzlich habe ich mir ein anderes Endteil am Stock anbringen lassen, dass wegen der drei Gummiflächen vor allem auf Kopfsteinpflaster mehr Sicherheit bietet. Auf dem 4. Photo sieht man am Stock eine Handschlaufe. Diese ist z. B. beim  Einsteigen in eine Straßenbahn praktisch: Man hat dann zwar den Stock am Handgelenk baumeln, aber dafür hat man die Hand frei. Zusätzlich hatte ich in der ersten Zeit nach dem Schlaganfall, als ich noch nicht deutlich und laut sprechen konnte,eine Fahrradklingel am Rollatorgriff (später an meinem Stock) montiert, um mir z. B. auf einem Bürgersteig Gehör zu verschaffen.



Meine Hilfsmittel beim Malen
Als Malpalette benutze ich vorwiegend die Plastikdeckel von leergegessenen Quarkbehältern. Da ich in meiner betroffenen linken Hand keine Malpalette halten kann, befestige ich den Plastikdeckel entweder auf einem zur Schlaufe geklebten Krepp-Streifen direkt auf meiner Maldecke oder ich klebe ihn nach demselben Verfahren auf die Arm-Halterung eines Nadelkissens.


Zur Befestigung eines Blattes verwende ich ein spezielles Krepp-Klebeband für empfindliche Tapeten. Es lässt sich relativ leicht wieder vom Papier lösen. Auf dem Photo ist zu sehen, dass ich das Papier auf eine Plexiglass-Scheibe geklebt habe. Wenn man das Papier auf ein rutschfestes Plastik-Schneidebrett klebt, hat man den zusätzlichen Vorteil, dass die Platte nicht verrutscht.



Meine Hilfsmittel beim Nähen

Mit dem Nähen habe ich erst Ende März 2020 wieder begonnen. Für eine Freundin habe ich Behelfsmasken genäht, was wider Erwarten gut geklappt hat. Daraufhin habe ich mir gedacht, dass ich mich auch wieder an Kleidungsstücke heranwagen könnte. Inzwischen nähe ich Jeanshosen, Softshelljacken, Kleider etc..

Als Unterlage zum Kopieren des Schnittmusters und als Fläche zum Zuschneiden dient mir ein White-Board (150 cm X 100 cm).  Dies hat den Vorteil, dass ich sowohl Papier als auch Stoff mit Magneten fixieren kann.

Die linke Stoffseite markiere ich mit einem Streifen Washi-Tape, das man sehr gut wieder vom Stoff entfernen kann.

Zum Fixieren der Stoffteile benutze ich seit dem Schlaganfall keine Nadeln mehr, sondern Stoffklammern. Diese gibt es in verschiedenen Größen.

Gerade für knifflige Näharbeiten wie z. B. das Einnähen von Reißverschlüssen benutze ich gern ein doppelseitiges Klebeband. Dieses löst sich beim Waschen von selbst auf.



Hilfsmittel bei Einschränkungen der Sprache

Nicht selten habe ich in den ersten Wochen nach dem Schlaganfall erlebt, dass ich nicht verstanden wurde und man mich aufgefordert hat, doch lauter zu sprechen. Aber das war ja gerade mein Problem (neben der noch sehr undeutlichen Sprache)! Hätte ich damals den BRA-Aphasie-Ausweis besessen und zeigen können, wäre man mir vielleicht verständnisvoller begegnet ....



2018 habe ich eine zweitägige Fortbildung in Köln besucht, die von der Gesellschaft  für  Unterstützte  Kommunikation  e.V. ausgerichtet wurde:

https://www.gesellschaft-uk.org

Während dieser Fortbildung habe ich unter anderem die beiden Kommunikationshilfen GoTalk-Button und Anybook Audiostift kennengelernt, die ich kurz vorstellen möchte.

Der GoTalk-Button ist eine kleine runde Taste, auf der man einen Text von 10 Sekunden aufsprechen (lassen) kann. Er ist magnetisch und lässt sich aber auch mit Doppelklebeband an einem Stock oder am Rollatorgriff befestigen. In der ersten Zeit nach dem Schlaganfall, als ich noch nicht deutlich und laut sprechen konnte, wäre mir ein GoTalk-Button z. B. in der Straßenbahn eine große Hilfe gewesen, um um einen Sitzplatz zu bitten.


https://rehavista.de/shop/artikel/gotalk-button



Der Anybook-Audiostift ist sehr vielseitig in der Anwendung, wie man in den Videos und den Best Practise-Beispielen auf folgender Internetseite sehen kann:

https://anybookreader.de/wie-funktioniert-das-anybook/


Ein gutes Beispiel für die praktische Anwendung ist auf dieser Internetseite zu finden:

https://anybookreader.de/erzaehlbuch-als-kommunikationshilfe/

Analog zu diesem Beispiel hatte ich den Anybook-Audiostift bei einem Treffen der Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn verwendet, um einer Teilnehmerin die selbständige Bestellung einer Tasse Kaffee und eines Stücks Kuchen zu ermöglichen.


Der Anybook Audiostift ist im Hilfsmittelverzeichnis auf folgender Seite zu finden:

https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/produktlisteZurArt_input.action?paramArtId=26343

Auf der folgenden Internetseite erhält man Tipps zur Beantragung:

https://anybookreader.de/anybook-als-zugelassenes-hilfsmittel/



Für Smartphones gibt es verschiedene kostenlose Sprach-Apps, die die Kommunikation erleichtern, wie z. B. LetMeTalk (in Kombination mit Pixabay, um zusätzliche Bilder in LetMeTalk zu speichern). Mit der App Seeing Al kann man sich Texte vorlesen lassen (z. B. die Speisekarte oder den Busfahrplan). Weitere Sprach-Apps sind in der Liste auf folgender Internetseite zu finden:

https://logopaedie-lauer.de/wp-content/uploads/2020/05/Apps_UK.pdf



Folgende Firma habe ich von einer Freundin, die eine ergotherapeutische Praxis leitet, empfohlen bekommen. Die TalkTools GmbH besteht aus einem multiprofessionellen Team (Sprachtherapeuten, Orthopädiemechaniker und Spezialisten mit verschiedene technischen Berufen), das  langjährige Erfahrung in Bezug auf Patienten mit neurologischen Erkrankungen hat:

https://www.talktools-gmbh.de/kommunikationshilfen/



Die Universität Köln bietet Beratung für Unterstützte Kommunikation an:

https://www.fbz-uk.uni-koeln.de/einrichtungen/uk-beratungsstelle



Zum Schluss des Kapitels "Hilfsmittel bei Einschränkung der Sprache" möchte ich noch eine Internetseite vorstellen, die ich eher zufällig gefunden habe:

https://www.stiftung-barrierefrei-kommunizieren.de/




HEILMITTEL

https://www.kbv.de/media/sp/Heilmittel_Richtlinie_Katalog_Diagnoselisten_Jul2021.pdf
https://www.kbv.de/media/sp/Heilmittel_Diagnoseliste_Webversion.pdf


In der Heilmittelrichtlinie ist festgelegt, auf welche Heilmittel gesetzlich Krankenversicherte Anspruch haben beziehungsweise welche Heilmittel ihnen ärztlich verordnet werden dürfen.

Heilmittel sind Leistungen, die ärztlich verordnet sein müssen und die persönlich zu erbringen sind. Zu den Heilmitteln zählen Maßnahmen der Ergotherapie, Physiotherapie, der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie, der podologischen Therapie (medizinische Fußpflege) sowie der Ernährungstherapie.

Seit Inkrafttreten der neuen Heilmittelverordnung am 1. Januar 2021 gibt es für die Verordnung nur noch ein Formular (siehe Photos oben). Es können weiterhin mehrere Heilmittel parallel verordnet werden (z. B. Ergotherapie, Physiotherapie und Sprachtherapie bei Diagnose Hirninfarkt). Für jedes Heilmittel ist jeweils ein Formular zu verwenden: Auf der 1. Seite rechts oben wird dann das Heilmittel angekreuzt.


Voraussetzungen der Heilmittelverordnung

Quelle: Heilmittelrichtlinie der KBV, Kapitel B, §3, Absatz 2

Heilmittel können zu Lasten der Krankenkassen nur verordnet werden, wenn sie notwendig sind, um  

  • eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern,
  • eine Schwächung der Gesundheit, die in absehbarer Zeit voraussichtlich zu einer Krankheit führen würde, zu beseitigen,     
  •  einer Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwirken,
  • oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu mindern.


Verordnung von Heilmitteln im Rahmen des Entlassmanagements

Im Rahmen des Entlassmanagements können Ärztinnen/Ärzte in Krankenhäusern sowie in Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation Heilmittel verordnen. Die Heilmittelbehandlung muss allerdings bereits innerhalb von sieben Kalendertagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus aufgenommen werden und darüber hinaus innerhalb von zwölf Kalendertagen nach der Entlassung abgeschlossen sein. Kann die Heilmittelbehandlung in dem genannten Zeitraum  nicht aufgenommen werden, verliert die Verordnung ihre Gültigkeit.

Beginn der Heilmittelbehandlung

Außer bei einer Verordnung im Rahmen des Entlassmanagements hat die Behandlung innerhalb von 28 Kalendertagen nach Verordnung zu beginnen. Liegt ein dringlicher Behandlungsbedarf vor, hat die Behandlung spätestens innerhalb von 14 Kalendertagen zu beginnen; dies ist auf der Verordnung kenntlich zu machen. Kann die Heilmittelbehandlung in den genannten Zeiträumen  nicht aufgenommen werden, verliert die Verordnung ihre Gültigkeit.


Verordnungsfall

Quelle: Heilmittelrichtlinie der KBV, Kapitel B, §7, Absatz 1

Ein Verordnungsfall umfasst alle Heilmittelbehandlungen für eine Patientin oder einen Patienten auf Grund derselben Diagnose (d. h. die ersten drei Stellen des ICD-10- GM-Codes sind identisch) und derselben Diagnosegruppe nach Heilmittelkatalog.

...

Da sich der Verordnungsfall auf die Ärztin/den Arzt, auf die Erkrankung ihres/seines Patienten und auf das Verordnungsdatum bezieht, muss die Ärztin/der Arzt nicht mehr wie früher vorab in Erfahrung bringen, wieviel Heilmittel andere Kolleginnen oder Kollegen diesem Patienten verordnet haben.

...

Ein neuer Verordnungsfall tritt ein, wenn seit dem Datum der letzten Verordnung ein Zeitraum von 6 Monaten vergangen ist, in dem keine weitere Verordnung für diesen Verordnungsfall ausgestellt wurde.*

*Beispiel: Eine Person hat 1 1/2 Jahre nach ihrem Schlaganfall weiterhin Sprachtherapiebedarf wegen einer globalen Aphasie. Nach der regulären Heilmittelverordnung kann die Ärztin/der Arzt bis zu 60 Therapieeinheiten (mit bis zu 20 Einheiten pro Verordnung) verordnen, ohne einer Wirtschaftlichkeitsprüfung zu unterliegen. Erhält die Person z. B. 2x/Woche Sprachtherapie, sind nach 20 Wochen bereits 40 Therapieeinheiten durchgeführt worden. Die 3. Verordnung über 20 Therapieeinheiten  ist bei Beibehalten der Therapiefrequenz von 2x/Woche nach 10 Wochen (2 1/2 Monaten) beendet. Erst in 3 1/2 Monaten würde ein neuer Verordnungsfall eintreten: Die Ärztin/der Arzt könnte dann wieder bis zu 60 Therapieeinheiten (mit bis zu 20 Einheiten pro Verordnung) verordnen, ohne einer Wirtschaftlichkeitsprüfung zu unterliegen. Bei Reduzierung der Therapiefrequenz auf 1x/Woche würde die Verordnung  20 Wochen (5 Monate) reichen, so dass nur 1 Monat "therapiefrei" wäre.


Orientierende Behandlungsmenge und Häufigkeit der Behandlung

In der Heilmittelverordnung ist eine Behandlungsmenge angegeben, mit der das Behandlungsziel erreicht werden soll. Ärzte können aber weitere Verordnungen ausstellen, sofern dies medizinisch notwendig ist. Bezüglich der Häufigkeit der Behandlung handelt es sich um eine Empfehlung. Auch hier kann die Ärztin/der Arzt mehr Therapien pro Woche auf die Verordnung schreiben.


Höchstmengen pro Verordnung

Für jede Verordnung gibt es Höchstmengen. Diese dürfen Ärztinnen/Ärzte nur in Ausnahmefällen überschreiten, etwa bei langfristigem Heilmittelbedarf oder bei einem besonderen Verordnungsbedarf.

Liegt ein langfristiger oder besonderer Heilmittelbedarf vor, können die notwendigen Heilmittel je Verordnung für eine Behandlungsdauer von bis zu 12 Wochen verordnet werden. In Abhängigkeit von der Therapiefrequenz wird dann die Anzahl der zu verordnenden Behandlungseinheiten auf der Verordnung vermerkt.


Langfristiger Heilmittelbedarf (LHB)

Bei bestimmten Diagnosen besteht ein langfristiger Heilmittelbedarf: Die funktionellen und/oder strukturellen Schädigungen und die Beeinträchtigungen der Aktivitäten sind so schwer, dass die Behandlungsziele erst nach längerer Behandlung erreicht werden können oder dauerhaft Heilmittel notwendig sind (z. B. bei Querschnittlähmung).

Besonderer Verordnungsbedarf (BVB)

Bei bestimmten Diagnosen benötigen die Patienten Heilmittel in intensivem Ausmaß und haben daher einen besonderen Verordnungsbedarf. Im Gegensatz zum langfristigen Heilmittelbedarf ist die Anerkennung als besonderer Verordnungsbedarf  bei bestimmten Diagnosen zeitlich befristet (z. B. „längstens 1 Jahr nach Akutereignis”).

Die Verordnungen bei  langfristigem Heilmittelbedarf sowie bei besonderem Verordnungsbedarf können gleich ab der ersten Verordnung für einen Zeitraum von bis zu 12 Wochen ausgestellt werden. Die Anzahl der Behandlungseinheiten ist dabei in Abhängigkeit von der Therapiefrequenz zu bemessen, z. B. 36 Behandlungen bei einer wöchentlichen Therapiefrequenz von drei Mal.

Bei den Diagnosen, die in der Diagnosenliste "Langfristiger Heilmittelbedarf / Besonderer Verordnungsbedarf" der KBV aufgeführt sind, ist ein Antrags- und Genehmigungsverfahren bei der Krankenkasse nicht mehr erforderlich.

Verordnungen im Rahmen des langfristigen Heilmittelbedarfs und/oder besonderen Verordnungsbedarfs unterliegen nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung, sie sind extrabudgetär*.


Beispiele für einen besonderen Verordnungsbedarf:

Bei den Diagnosen Hemiparese und Hemiplegie sowie die Ursachen eines Schlaganfalls (Intrazerable Blutung, Hirninfarkt, zerebrovaskuläre Krankheit) besteht laut der Diagnosenliste kein langfristiger Heilmittelbedarf, aber ein besonderer Verordnungsbedarf.

Die Diagnose Hemiparese (inkomplette Lähmung einer Körperhälfte infolge einer zentralen Läsion) oder Hemiplegie (vollständige Lähmung einer Körperhälfte  infolge einer zentralen Läsion) ist als eigene Diagnose gelistet;  es liegt ein besonderer Verordnungsbedarf ohne zeitliche Beschränkung der Verordnung von Physiotherapie und Ergotherapie vor.

Bei den  Diagnosen "Intrazerebrale Blutung", "Hirninfarkt" und  "Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit"  liegt zwar auch ein besonderer Verordnungsbedarf vor, Physiotherapie und Ergotherapie sowie Sprachtherapie dürfen aber nur längstens 1 Jahr nach Akutereignis mit den oben beschriebenen Vorteilen des besonderen Verordnungsbedarfs verordnet werden.

Sprachstörungen sind nicht als eigene Diagnosen gelistet, so dass eine der Diagnosen "Intrazerebrale Blutung", "Hirninfarkt" und  "Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit" auf der Verordnung für Sprachtherapie zur Behandlung einer Aphasie genannt werden muss. Beispielsweise kann eine Person mit einer globalen Aphasie nach einem Hirninfarkt im ersten Jahr nach dem Akutereignis aufgrund des besonderen Verordnungsbedarfs mehrere Verordnungen für Sprachtherapie mit einer Häufigkeit von 5x/Woche erhalten; eine Verordnung umfasst dann 60 Behandlungseinheiten für 12 Wochen.

Liegt das Akutereignis länger als ein Jahr zurück, kann aber natürlich weiterhin Sprachtherapie verordnet werden, wenn dies aus ärztlicher Sicht notwendig ist.

Ein Jahr nach dem Akutereignis tritt die reguläre Heilmittelverordnung in Kraft: Die Sprachtherapie-Verordnung darf dann nur noch über maximal 20 Therapieeinheiten ausgestellt werden, die Anzahl der hintereinander ausgestellten Verordnungen ist jedoch nicht limitiert. Die Ärztinnen und Ärzte könnten also weitere Verordnungen ausstellen, sofern sie dies für medizinisch notwendig halten. Diese Verordnungen unterliegen dann jedoch der Wirtschaftlichkeitsprüfung*. Bezüglich der Häufigkeit der Behandlung bei Aphasie wird in der Heilmittelverordnung eine Empfehlung ausgesprochen (1-3x/Woche); bis zu 60 Therapieeinheiten werden als orientierende Behandlungsmenge genannt. Es liegt also im Ermessen der verordnenden Ärztin / des verordnenden Arztes, ob die Therapie häufiger und/oder  länger als 60 Behandlungseinheiten durchgeführt werden soll. Bei schriftlich festgehaltener Begründung in der Patientenakte sollte eine Wirtschaftlichkeitsprüfung eigentlich ohne finanziellen Nachteil für die Ärztin/den Arzt ablaufen. Die Ärztin/der Arzt kann natürlich sicherheitshalber auch so verfahren, wie ich es im Beispiel "Neuer Verordnungsfall" (siehe oben) aufgeführt habe.

Fazit: Wenn bei einer Person nach einem Schlaganfall sowohl eine Hemiplegie bzw. Hemiparese als auch eine Aphasie diagnostiziert wird, ist es sinnvoll, sowohl eine der Diagnosen "Intrazerebrale Blutung", "Hirninfarkt" oder  "Folgen einer zerebrovaskulären Krankheit" als auch die "Diagnose Hemiparese/Hemiplegie" (ICD-10: G81.0 oder G 81.1) anzugeben,um die Vorzüge des  Sonderstatus "Besonderer Verordnungsbedarf" besonders im Hinblick auf Ergotherapie und Phsiotherapie nutzen zu können.

*Jeder Arzt hat ein Budget für Heilmittel-Verordnungen. Wird dieses Budget (Richtgrößenvolumen) überschritten, kann der Arzt in Regress genommen werden. 


Verordnung eines Hausbesuchs

Die Verordnung eines Hausbesuchs ist nur dann zulässig, wenn die Patientin oder der Patient aus medizinischen Gründen die Therapeutin oder den Therapeuten nicht aufsuchen kann oder wenn sie aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist. Die Behandlung in einer Einrichtung (z. B. tagesstrukturierende Fördereinrichtung) allein ist keine ausreichende Begründung für die Verordnung eines Hausbesuchs.


Ergotherapie

Der Deutsche Verband Ergotherapie e. V. definiert Ergotherapie wie folgt (DVE 08/2007): "Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.
Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen."

Ergotherapeuten arbeiten in den verschiedensten Fachbereichen wie z. B.Pädiatrie, Geriatrie, Orthopädie und Neurologie.Sie sind auch zuständig für Hirnleistungstraining bei neuropsychologischen Symptomen nach Schlaganfall und beraten bei der Hilfsmittelauswahl.

Genauere Informationen des DVE zu den ergotherapeutischen Aufgaben in der Neurologie und Geriatrie erhalten Sie nach Anklicken der folgenden Links:

https://dve.info/resources/pdf/ergotherapie/fachbereiche/90-pdf-gruppe-09-neurologie/file
https://dve.info/resources/pdf/ergotherapie/fachbereiche/88-pdf-gruppe-05-geriatrie/file


Ergotherapie-Praxen in Bonn und Umgebung

Auf der Internet-Seite des DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e. V.) findet man nach Eingabe der Stadt sämtliche Ergotherapie-Praxen, die Mitglied im DVE sind:

https://dve.info/service/therapeutensuche

Darüber hinaus gibt es noch weitere Ergotherapie-Praxen, die nicht auf der Liste stehen, da sie entweder nicht Mitglied im DVE sind oder ihre Adresse nicht zur Veröffentlichung freigegeben haben. Diese Praxen sind u. U.  auf den GelbenSeiten zu finden.



Physiotherapie

Der Deutsche Verband für Physiotherapie e. V. (ZVK) definiert Physiotherapie wie folgt:

"Bei dem Begriff Physiotherapie handelt es sich um den Oberbegriff, der alle aktiven und passiven Therapieformen umfasst.   ...      Unter dem Oberbegriff  Physiotherapie findet sich daher einerseits die Krankengmnastik*, die dem Physiotherapeuten vorbehalten ist sowie andererseits die physikalische Therapie, also das Berufsfeld, in dem Physiotherapeuten und Masseure gleichberechtigt nebeneinander tätig werden. Die physikalische Therapie ihrerseits untergliedert sich in die Bereiche Massagen, Elektrotherapie, Hydrotherapie sowie Thermotherapie.  

Physiotherapie (engl. physiotherapy) umfasst die physiotherapeutischen Verfahren der Bewegungstherapie (engl. kinesitherapy; therapeutic exercises) sowie die physikalische Therapie (physical therapy). Physiotherapie nutzt als natürliches Heilverfahren die passive - z.B. durch den Therapeuten geführte - und die aktive, selbstständig ausgeführte Bewegung des Menschen sowie den Einsatz physikalischer Maßnahmen zur Heilung und Vorbeugung von Erkrankungen. Physiotherapie findet Anwendung in vielfältigen Bereichen von Prävention, Therapie und Rehabilitation sowohl in der ambulanten Versorgung als auch in teilstationären und stationären Einrichtungen. Damit ist die Physiotherapie eine Alternative oder sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen oder operativen Therapie.

*Der Begriff Krankengymnastik wird den modernen Anforderungen physiotherapeutischer Verfahren inzwischen nicht mehr gerecht, weil nicht nur „Kranke“ die Leistungen in Anspruch nehmen und „Gymnastik“ als Leibes- und Körperübung die verwendete Methodenvielfalt sehr einschränken würde.

Inzwischen hat sich das Berufsfeld weiterentwickelt, das erweiterte Verständnis lässt sich in der Bewegungstherapie zum Ausdruck bringen. Bewegungstherapie bildet die Hauptaufgabe der Physiotherapie. Sie ist ein dynamischer Prozess, der sich an die Steigerung der Belastbarkeit im Verlauf des Heilungsprozesses anpasst."


Physiotherapie-Praxen in Bonn und Umgebung

Auf der Internet-Seite des ZVK (Deutscher Verband für Physiotherapie e. V.) findet man nach Eingabe der Stadt sämtliche Physiotherapie-Praxen, die Mitglied im ZVK sind:

https://www.physio-deutschland.de/patienten-interessierte/physiotherapeutensuche.html

Darüber hinaus gibt es noch weitere Physiotherapie-Praxen, die nicht auf der Liste stehen, da sie entweder nicht Mitglied im ZVK sind oder ihre Adresse nicht zur Veröffentlichung freigegeben haben. Diese Praxen sind u. U.  auf den GelbenSeiten zu finden.





Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie

Für die Therapie von Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen in jeden Altersgruppen sind sowohl Logopädinnen/Logopäden als auch (akademische) Sprachtherapeutinnen/Sprachtherapeuten zuständig. Die beiden Berufsgruppen unterscheiden sich hinsichtlich der Ausbildung.

Auf der Internetseite des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e. V. (DBL) findet man auf der Startseite rechts oben ein Feld "Logopädensuche":

https://www.dbl-ev.de/


Auf der Internetseite des Deutschen Bundesverbandes für akademische Sprachtherapie und Logopädie e. V. (DBS) findet man ebenfalls auf der Startseite rechts oben ein Feld "Zum Therapeutenverzeichnis":

https://www.dbs-ev.de/start/


Darüber hinaus gibt es noch weitere Logopädie- bzw. Sprachtherapiepraxen, die nicht auf den Listen stehen, da sie entweder nicht Mitglied im DBL oder DBS sind oder ihre Adresse nicht zur Veröffentlichung freigegeben haben. Diese Praxen sind u. U.  auf den GelbenSeiten zu finden.

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Zuzahlung zu Hilfs- und Heilmitteln

Bei folgenden Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind Zuzahlungen zu leisten; die Quittung darüber wird kostenlos ausgestellt:

  • Arznei- und Verbandmittel
  • Hilfsmittel
  • Heilmittel
  • Fahrkosten (siehe oben unter Krankenbeförderung)
  • Häusliche Krankenpflege
  • Haushaltshilfe
  • stationäre Behandlung im Krankenhaus
  • stationäre Vorsorge- oder Reha-Maßnahmen

Bei Hilfsmittelverordnungen sind 10 % des Abgabepreises, mindestens fünf und höchstens zehn Euro für jedes Hilfsmittel zu bezahlen. Bei gemieteten Hilfsmitteln werden nur zehn Euro Zuzahlung für die gesamte Dauer der Mietzeit erhoben.

Bei Heilmittelverordnungen müssen 10 % der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung direkt an den Therapeuten gezahlt werden.


Befreiung von der Zuzahlung zu Hilfs- und Heilmitteln

Bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist man grundsätzlich von Zuzahlungen befreit, außer bei der Fahrtkosten-Zuzahlung.

Die Zuzahlungsgrenze wird anhand der jährlichen Familien-Bruttoeinnahmen berechnet und beträgt 2 %. Alle Zuzahlungen, die über diese Zuzahlungsgrenze hinaus anfallen, werden erstattet. Bei einer schweren chronischen Erkrankung liegt die Grenze bei 1 %; welche Erkrankungen dazu gehören, erfährt man bei seiner gesetzlichen Krankenkasse.

Man kann den Betrag in Höhe der Zuzahlungsgrenze bei der gesetzlichen Krankenkasse im Voraus einzahlen. Dann ist man ab dem Zeitpunkt der Einzahlung für ein Jahr von weiteren Zuzahlungen befreit. Die andere Möglichkeit ist das Sammeln der Zuzahlungsquittungen: Liegt die Summe der Zuzahlungen im Kalenderjahr über der Zuzahlungsgrenze, wird die Differenz zwischen der Ausgabensumme und der Zuzahlungsgrenze erstattet.





SELBSTHILFEGRUPPEN

in Selbsthilfegruppen kommen Menschen zusammen, die ein gleiches Anliegen haben. So gibt es in Deutschland inzwischen zahlreiche Selbsthilfegruppen mit gesundheitsbezogenen Themen. Diese stellen mittlerweile eine wichtige Ergänzung zum professionellen Gesundheitssstem dar. Unter bestimmten Voraussetzungen können gesundheitsbezogene Selbsthilfegruppen von den gesetzlichen Krankenkassen finanziell gefördert werden.

Ein wesentliches Merkmal von Selbsthilfegruppen ist, dass die ehrenamtliche Selbsthilfegruppenarbeit von Betroffenen für Betroffene und nicht z. B. von einem Therapeuten erbracht wird. Meist nehmen an den Treffen auch die Angehörigen teil. Aber es gibt auch Ausnahmen: Bei Aphasie-Selbsthilfegruppen hat man die Erfahrung gemacht, dass getrennte Gruppen von Vorteil sind.

In der Selbsthilfegruppe haben Alle Ähnliches erlebt. Hier braucht man nicht viel erklären, um verstanden zu werden. Von den Anderen zu erfahren, wie sie mit der veränderten Situation umgegangen sind, kann dazu beitragen, wieder neuen Lebensmut zu schöpfen. Dieser Erfahrungsaustausch und diese praktische Lebenshilfe stehen im Vordergrund der regelmäßig stattfindenden Treffen. Darüber hinaus erhält man dort wichtige Informationen entweder von den anderen Teilnehmer*innen oder durch externe Vortragende, die zu einem Treffen eingeladen werden. Einige Selbsthilfegruppen bieten auch kreative Workshops für Betroffene und Mitbetroffene an oder beteiligen sich an Aktionen. Einen Einblick in solche Aktivitäten bietet die folgende Photogalerie der Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn und der Jungaphasiker-Gruppe Bonn:

FREUDE-WS 12.06.2021
FREUDE-WS 12.06.2021
2019_Trommel-Workshop-Verpflegung
2019_Trommel-Workshop-Verpflegung
2019_Trommel-Workshop
2019_Trommel-Workshop
2019_Speckstein-Workshop
2019_Speckstein-Workshop
2019_Selbsthilfetag auf dem Bonner Münsterplatz
2019_Selbsthilfetag auf dem Bonner Münsterplatz
2019_Vernissage Würzburger Aphasietage _Mal-Kurs von Ulla Hieronmi-Pinnock
2019_Vernissage Würzburger Aphasietage _Mal-Kurs von Ulla Hieronmi-Pinnock
2019_Erste-Hilfe-Workshop
2019_Erste-Hilfe-Workshop
2018_Sing-Workshop
2018_Sing-Workshop
2018_Mal-Workshop im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck
2018_Mal-Workshop im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck
2018_Vernissage im Haus St. Agnes:Bonn _Mal-Kurs von Ulla Hieronmi-Pinnock
2018_Vernissage im Haus St. Agnes:Bonn _Mal-Kurs von Ulla Hieronmi-Pinnock
2018_Mosaik-Workshop
2018_Mosaik-Workshop
2017_Mal-Workshop im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck
2017_Mal-Workshop im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck
2017_Kloster Heisterbach_Mal-Workshop_Aphasie_Aert Selbsthilfe Waldbreitbach
2017_Kloster Heisterbach_Mal-Workshop_Aphasie_Aert Selbsthilfe Waldbreitbach
2017_Info-Stand THALIA Bonn
2017_Info-Stand THALIA Bonn


In dem Anfang September 2021 fertiggestellten Video des Landesverbandes der Aphasiker NRW e. V. berichten Teilehmer*innen einer Selbsthilfegruppe über ihre Erfahrungen:

https://www.aphasiker-nrw.de/



Die Kontaktdaten neurologischer Selbsthilfegruppen in Bonn und Umgebung finden Sie auf dieser Homepage unter

Termine & Aktuelles



Die gesetzliche Unfallversicherung bietet eine Beratung von Betroffenen für Betroffene (Peer-Beratung) an:

https://www.dguv.de/de/reha_leistung/teilhabe/schwerverletzte/index.jsp


Die ZNS-Stiftung Hannelore Kohl bietet vor allem für junge betroffene Menschen (18 - 40 Jahre) Erlebnis-, Begegnungs- und Gesundheitstage an. Momentan finden Online-Treffen für Betroffene und Angehörige statt:

https://www.zns-akademie.de/programm/digitale-angebote/




GESUNDHEITSFÖRDERNDE GEDANKEN

Entweder habe ich diese Eigenschaft von meinem Vater geerbt oder abgeguckt - Egal wie! Das Glas als halbvoll anzusehen anstatt es als halbleer wahrzunehmen hat mir schon manches Mal in meinem Leben geholfen. So war mein erster Gedanke nach dem Schlaganfall "Hurrah! Ich lebe noch!" und nicht der Gedanke an vielleicht bleibende sprachliche und körperliche Einschränkungen.

Die innere Einstellung zu einer Situation oder zu dem Verhalten einer Person zu ändern ist oftmals aussichtsreicher als zu hoffen, dass sich die Situation schnell verändert oder sich die andere Person in ihrem Verhalten ändert. Auch können innere Glaubenssätze  eine (Weiter)Entwicklung geradezu verhindern. Ein interessantes Buch zu diesem Thema hat Gerald Hüther/Neurobiologe  geschrieben ("Die Macht der inneren Bilder").

Jeder hat es schon einmal erlebt oder bei einer anderen Person beobachtet, dass sich z. B. Traurigkeit in der Körperhaltung wiederspiegelt. Umgekehrt beeinflusst die Körperhaltung auch die Stimmung. Dies erlebe ich immer wieder in den Gelenkyoga-Stunden mit Ulla Hieronymi-Pinnock: Setze ich mich aufrecht auf die Stuhlkante anstatt wie ein nasser Sack auf dem Stuhl zu hängen, fühle ich mich direkt präsenter und wacher. Aufforderungen wie "Sitze wie eine Königin!" oder  "Zeige Dein inneres Lächeln!" verstärken diese positive Stimmung.

Manchmal hat man Tage, an denen man den Eindruck hat, dass nichts geklappt hat. Sich abends, spätestens wenn man im Bett liegt, auf die Suche nach einem positiven Erlebnis des Tages zu begeben, lohnt sich dennoch! Vielleicht war der Moment nur kurz (ein angenehmer Duft, ein schöner Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, die "Unterhaltung" zweier Amseln, ein leckeres Essen, leichter Nieselregen im Gesicht etc.), aber die Erinnerung daran weckt positive Gefühle und man kann vielleicht mit einem Gefühl der Dankbarkeit einschlafen.

Vorsorglich ist das Anlegen einer Freude-Liste sinnvoll: Alles, was einem Freude macht, was Kraft schenkt und was einem zum Lachen bringt, wird auf ein Blatt geschrieben. Im "Notfall" kann man diese Liste angucken und mindestens eine Sache davon in die Tat umsetzen, um den belastenden Gedanken und Gefühlen ein Gegengewicht zu geben.



Der Elefant in der Bonner Rheinaue wird von den Blinden, die nur Teile von ihm ertasten, nicht in der Gesamtheit als Elefant erkannt. Je nachdem, welches Körperteil der Blinde ertastet, hält er es für eine Schlange, eine Säule etc.

Nach einem Schlaganfall kann man auch in gewisser Weise "blind" sein und nur noch die eigenen Beeinträchtigungen wahrnehmen.

Mir hat es daher sehr geholfen, mich an meine eigenen Kräfte zu erinnern (Welche Eigenschaften haben mir früher geholfen, Krisen zu bewältigen) und diese Ressourcen in der neuen Situation zu nutzen.


Sehr hilfreich war auch die Teilnahme an einem Workshop der Jungaphasiker-Gruppe Bonn zum Thema Freude (Beschreibung auf der Seite TERMINE & AKTUELLES unter 12. Juni 2021). Die Referentin Christina Möhrle* machte auf eindrückliche Weise klar, dass neben den angenehmen Gefühlen wie Freude, Lachen, Glück auch anderen Gefühlen wie Trauer, Weinen, Unglück Raum gegeben werden sollte. Denn schon in der Bibel heißt es "Alles hat seine Zeit". Negative Gefühle auch einmal zulassen zu können ohne sich von ihnen dauerhaft beherrschen zu lassen, ist eine von vielen Übungen, die letztlich zu einer Balance positiver und negativer Gefühle führt.  Vielleicht erreicht man auch irgendwann den Punkt, an dem man negativen Gefühlen wie z. B. Ärger mit heiterer Gelassenheit und Humor begegnen kann. Der  Mediziner und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen hat dies einmal sehr treffend skizziert: »Humor ist die Fähigkeit, bei Ärger die Perspektive zu wechseln. Man schaut sich selbst über die Schulter und kann die Situation durch Fragen entschärfen: Wenn ich in einem Jahr darüber lache, warum nicht jetzt gleich

Idee: Christina Möhrle # Illustration: Michael Ruinato # Das Copyright liegt beim Urheber.

*Christina Möhrle arbeitet als Logopädin, Humorberaterin und Humordramacoach (HCDA), Lachyoga-Leiterin.



GESUNDHEITSFÖRDERNDES VERHALTEN

Neben dem Vermeiden oder wenigstens der Reduzierung von Risikofaktoren für einen erneuten Schlaganfall (Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Bewegung, nicht rauchen, Alkohol in Maßen, Stressreduktion) tragen auch Achtsamkeits- und Entspannungsübungen sowie Freizeitaktivitäten, die einem Freude bereiten, zu einer gesünderen Lebensweise und Erhöhung der Lebensqualität bei.


TWINSPIRIT Gelenkyoga & QiGong

In den 5 Jahren, die seit meinem Schlaganfall vergangen sind, habe ich viele gesundheitsfördernde Impulse von den Zwillingsschwestern Ulla Hieronymi-Pinnock und Margrit Hieronymi erhalten. Eine halbe Stunde Gelenkyoga am Vormittag sowie einige QiGong-Übungen an manchen Nachmittagen sind zu liebgewonnenen Ritualen geworden, die zu meinem Wohlbefinden im ganzheitlichen Sinne beitragen. Inzwischen habe ich mich á la Pawlow positiv konditioniert: Sobald ich meine Meditationsmusik einschalte, bin ich direkt schon ein wenig entspannter und Vorfreude auf die nun folgenden Bewegungen macht sich in mir breit.                    

Ulla und Margrit: Ich danke Euch!!!


Gelenkyoga


Inhaltsverzeichnis der Gelenkyoga-DvD
1.    Begrüßung
2.    Antistresstraining und Bodyscan
3.    Die Berghaltung
4.    Gelenkyoga von Fuß bis Kopf
5.    Der Sonnengruß
6.    Der Morgengruß
7.    Entspannung nach Jakobsen
8.    Danksagung


Ulla Hieronymi-Pinnock hat in den letzten Jahren als Kunsttherapeutin verschiedene Workshops (Malen, Specksteinbearbeitung) für die Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn und für die Selbsthilfe Aphasie Waldbreitbach sowie für den Landesverband Aphasie Rheinland Pfalz e. V. ausgerichtet. Auch bei den Würzburger Aphasietagen war sie schon oft mit ihren Mal-Workshops vertreten, in 2021 erstmalig über Zoom.
Als ausgebildete Yogalehrerin (BYV) hat sie sich Gedanken gemacht, wie sie unter Corona-Pandemie-Einschränkungen trotzdem einen Gelenkyoga-Workshop durchführen kann. Das Ergebnis dieser Überlegungen liegt seit Mai 2020 in Form einer DvD vor.
Die Übungen werden im Sitzen durchgeführt und sind daher für jeden möglich, auch für Senioren und Menschen mit Einschränkungen.
Man kann die DvD für 20,- € plus 2,- € Versandkosten käuflich erwerben. Da die Selbsthilfe Aphasie Waldbreitbach die Kosten für die DvD-Herstellung finanziert hat, ist der Betrag von 22,- €  zu überweisen an Selbsthilfe Aphasie Waldbreitbach bei:
Sparkasse Neuwied       
IBAN        DE25 5745 0120 0030 2799 47
Die Bestellung läuft über Ulla Hieronymi-Pinnock  u.hieronymi-pinnock@gmx.de (Bitte Postadresse in der e-mail angeben). Nach Geldeingang geht die DVD in die Post.



QiGong

QiGong
Trailer
Trailer QiGong aktuell.mov (3.95MB)
QiGong
Trailer
Trailer QiGong aktuell.mov (3.95MB)




Margrit Hieronymi hat im Februar 2021 als ausgebildete QiGong- und Yogalehrerin mit Unterstützung der Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn und der regionalen Fördergemeinschaft der Krankenkassen in Bonn (Selbsthilfeförderung GKV-NRW) eine QiGong-DvD erstellt. 


Margrit Hieronymi schreibt dazu:

"Die Übungen werden in Ruhe im Sitzen oder im Stehen in Kombination mit einfachen, langsamen Bewegungen und entspannter Atmung ausgeführt und können auf unterschiedliche Art in den normalen Alltag integriert werden. Ich spreche dabei Menschen mit und ohne Handicap im Qigong-Video an, die Hilfe zur Selbsthilfe suchen, unabhängig vom Alter oder ihrem Befinden. Ich wende mich an alle, die in unserer Zeit einen Weg zu Ruhe und Gelassenheit suchen.
Qigong heißt Arbeit an der Lebensenergie und stellt damit einen Überbegriff dar. In mancher Beziehung ähnelt Qigong dem Begriff Musik. So wie es in der Musik sehr einfache Melodien, aber auch sehr schwere und komplizierte Werke wie Symphonien gibt, gibt es im Qigong einfache und kleine Übungen, aber auch sehr lange und komplexe Übungen.
Einige Übungen dienen „nur“ der Gesundheit oder der Heilung. Andere Übungen dienen der Selbstverteidigung und Stärkung des Selbstbewusstseins. In jedem Fall fördert Qigong die Gesunderhaltung und die Verbesserung und Verlängerung des Lebens.
Wir haben außer den Energieleitbahnen wie Arterien, Venen, Lymph- und Nervenbahnen auch noch andere Leitbahnen. Sie sind nicht sichtbar aber spürbar. Das sind die Meridiane, die sich wie ein Netz durch unseren Körper ziehen. Wie in der Landschaft das Flusssystem, so fließen in den Meridianen in einem ganz bestimmten Rhythmus das Qi und lässt dadurch das Blut und die Körpersäfte fließen und versorgt die Organe.
Qigong kann uns helfen, zu unserem Ursprung zurückzufinden. Das heißt, wir lernen, wieder achtsam zu spüren, was für uns ganz persönlich gut und richtig ist. Achtsame Bewegungen werden so ausgeführt, dass wir unsere Gelenke schonen und nicht zu schnell ermüden.
Unsere Vorstellungskraft wird geschult und wir koordinieren den Atem mit unseren Bewegungen. Dabei beachten wir bestimmte Grundhaltungen und Prinzipien. Dies ermöglicht uns, wieder in uns hinein zu spüren und unsere inneren Bedürfnisse mit den Anforderungen von außen auf sinnvolle Art zu koordinieren. Dadurch lernen wir, im größten Trubel zu Ruhe und Gelassenheit zu finden und unsere Stimmung zu heben. Der Ursprung des Qigong lehrt uns aber auch, unsere Fähigkeiten und Kräfte, die in jedem von uns schlummern, wieder zu entdecken und hervorzuholen und beharrlich weiter zu entwickeln. Dies können körperliche, seelische oder geistige Ressourcen sein. Qigong lehrt uns, die Füße fest auf der Erde zu spüren, neuen Tritt zu fassen und gleichzeitig mit dem Himmel verbunden zu sein."


Man kann die DvD für 20,- € plus 2,- € Versandkosten käuflich erwerben. Der Betrag von 22,- €  ist zu überweisen an:
Burkard Kramer Treuhandkonto Aphasie Selbsthilfegruppe Köln Bonn
     Kreissparkasse Köln
  IBAN: DE96 3705 0299 0048 0029 18
Die Bestellung läuft über Burkard Kramer, den Leiter der Aphasie-Selbsthilfegruppe Bonn: b.kra@gmx.de (Bitte Postadresse in der e-mail angeben). Nach Geldeingang geht die DVD in die Post.



Wassersport

Schwimmen und vor allem Tauchen waren vor dem Schlaganfall meine Leidenschaft. Bis die Corona-Pandemie Einiges außer Kraft setzte, bin ich regelmäßig schwimmen gegangen und habe an mehreren Aquafitness-Kursen im Rahmen meiner Möglichkeiten teilgenommen. Vorab hatte ich mich über die örtlichen Gegebenheiten der Hallenbäder bzw. Schwimmbecken informiert (Treppe, die in das Wasser führt? Handlauf auf beiden Seiten? Wassertemperatur?) Viele Hallenbäder verfügen auch über zusätzliche Hilfsmittel wie Rollstuhl für den Nassbereich und einen "Schwimmbadlifter". Ideal finde ich meine Badeschuhe, mit denen ich auch in`s Wassser gehe:


So oft es geht nutze ich im Sommer die Gelegenheit, in einem See zu schwimmen. Dabei schwimme ich mit meinen Flossen bevorzugt in Rückenlage. Ein Erlebnis der besonderen Art hatte ich aufgrund der Idee meiner Freundin Ulla: Sie hatte für das Brett meines Mannes einen Sitz für ein SUP-Board mitgebracht, so dass ich abwechselnd von Ulla und meinem Mann über den See gefahren wurde:


Dass man auch im Rollstuhl sitzend auf einem Stand-Up-Paddeling-Brett (SUP-Board) über einen See oder Fluss gefahren werden kann, zeigt das folgende Video des SOV Lüneburg:

https://www.youtube.com/watch?v=aqTYJpIdwIQ



Fahrradfahren

Vor dem Schlaganfall war ich keine begeisterte Fahrradfahrerin. Aber seitdem ich 2019 am "Tag der Begegnung" in Köln, der vom Landschaftsverband Rheinland LVR ausgerichtet wurde, das Fahren auf einem Dreirad  ausprobiert habe, fahre ich fast täglich Fahrrad (auch im Winter):

Der Händler, bei dem ich das Fahrrad gekauft habe, hat seinen Laden in Köln-Porz:

https://www.liebe-bike.de/produkte/dreiraeder.php


Zum Thema Mobilität mit Dreirad hat die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe folgenden Artikel auf ihrer Internetseite veröffentlicht:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/fuer-betroffene/alltag-mit-schlaganfall/hilfsmittel-und-wohnraumanpassung/dreirad


in der Zeitschrift THALA 1/21 stellt die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe einen Workshop für Therapeuten vor. Inhalt dieses Workshops ist das schrittweise Heranführen von schlaganfallbetroffenen Menschen an das Radfahren:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/de/fuer-betroffene/therapie/therapeuten-workshop-radfahren-nach-schlaganfall





Tanzen

Momentan findet leider kein ZNS-Tanzclub im Tanzhaus Bonn statt. Als kleine Entschädigung kann man beim Anschauen des folgenden Videos selber sitzend oder stehend zu dem Song "HEY YOU" von der Band UMOYA tanzen:

https://www.youtube.com/watch?v=PlKvBMljKkQ


Die AphasieArt - Selbsthilfe - Waldbreitbach hat dieses Video erstellt: "Unser Ziel ist die Inklusion: Wir möchten Menschen jeglichen Alters mit Einschränkungen und ohne Einschränkungen Mut machen und Freude schenken. Denn Aphasie (erworbene Sprachstörung) verändert die Lebensumstände Betroffener und ihrer Angehörigen nachhaltig. Die Möglichkeit, sich Anderen sprachlich mitzuteilen, ist deutlich eingeschränkt. Hinzu kommen meist andere Einschränkungen wie eine Halbseitenlähmung, da die Hauptursache einer Aphasie der Schlaganfall ist."



REHABILITATIONSSPORT (Reha-Sport)

Rehabilitationssport ist  für behinderte und von einer bedrohte  Behinderung Menschen entwickelt worden mit dem Ziel,  die Ausdauer und Kraft zu stärken, die Koordination zu verbessern und das Selbstbewusstsein zu stärken. Als ergänzende Maßnahme nach SGB IX, § 64 hat Rehabilitationssport zudem das langfristige Ziel der dauerhaften (Wieder)Eingliederung des betroffenen Menschen in die Gesellschaft und das Arbeitsleben.

Rehabilitationssport findet in Gruppen statt und soll die Teilnehmer*innen zu selbständigen Übungen zu Hause anregen (Hilfe zur Selbsthilfe).

Rehabilitationssport wird ärztlich verordnet:


Die Kosten werden entweder von der gesetzlichen Krankenkasse, die Rentenversicherung oder der Unfallversicherung übernommen. Die Dauer der Maßnahmen reicht von 18 Monaten bis zu 36 Monaten je nach zugrundeliegendem Krankheitsbild.

Genauere Informationen kann man der Rahmenvereinbarung Rehabilitationssport entnehmen, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation BAR erstellt wurde:

https://www.kbv.de/media/sp/Rahmenvereinbarung_Rehasport.pdf


In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis kann man beim Verein für Behindertensport einen Beratungstermin vereinbaren. Dabei erhält man dann die Kontaktdaten der Einrichtungen, die Rehasport bei neurologischen Krankeitsbildern anbieten:

http://www.vfb-bonn.de/index.php?tab=reha


Aus eigener Erfahrung kann ich folgende Einrichtung empfehlen:

https://www.siegreha.de/fuer_patienten_kunden/nachsorge/



FUNKTIONSTRAINING

Laut Kapitel 3 der Rahmenvereinbarung der BAR umfasst  Funktionstraining "bewegungstherapeutische Übungen, die in der Gruppe unter fachkundiger Leitung vor allem durch Physiotherapeuten/-innen/Kranken- gymnasten/-innen/Ergotherapeuten/-innen im Rahmen regelmäßig abgehaltener Übungsveranstaltungen durchgeführt werden. Das gemeinsame Üben in festen Gruppen ist Voraussetzung, um gruppendynamische Effekte zu fördern, den Erfah- rungsaustausch zwischen den Betroffenen zu unterstützen und damit den Selbsthilfecharakter der Leistung zu stärken. Neben den bewegungstherapeutischen Übungen können Gelenkschutzmaßnahmen und die Einübung im Gebrauch technischer Hilfen und von Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens Bestandteil des Funktionstrainings sein."

Wie beim Rehabilitationssport besteht auch beim Funktionstraining das langfristige Ziel , den betroffenen Menschen dauerhaft in die Gesellschaft und das Arbeitsleben (wieder)einzugliedern.

Funktionstraining wird ärztlich verordnet (siehe oben Musterverordnung für Rehabilitationssport und Funktionstraining) und von der gesetzlichen Krankenkasse, Rentenversicherung oder Unfallversicherung über 12 bis maximal 24 Monate bezahlt.

Genauere Informationen kann man  der Rahmenvereinbarung Rehabilitationssport entnehmen, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation BAR erstellt wurde:

https://www.kbv.de/media/sp/Rahmenvereinbarung_Rehasport.pdf



WIEDERERLANGUNG DER FAHRERLAUBNIS FÜR PKW

"In Deutschland besteht keine Meldepflicht für Erkrankungen, die die Fahreignung einschränken. Der Führerschein wird nach einer Erkrankung auch nicht automatisch entzogen. Der Betroffene ist jedoch gemäß der Fahrerlaubnis-Verordnung FeV dazu verpflichtet, Vorsorge für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr zu treffen, damit er „infolge körperlicher oder geistiger Mängel“ andere nicht gefährdet. Fährt er trotz relevanter Leistungsfähigkeitseinschränkungen, droht Verlust des Führerscheins, des Versicherungsschutzes und eventuell sogar Strafverfolgung." (Quelle: Positionspapier der DGNR, DGNB, DGN, DGNC, DSG, GNP 2018)

Nach §2, Abs. 4 Straßenverkehrsgesetz (StVG), ist zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet, "wer die notwendigen körperlichen und geistigen Anforderungen erfüllt und nicht erheblich oder nicht wiederholt gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder gegen Strafgesetze verstoßen hat. Ist der Bewerber auf Grund körperlicher oder geistiger Mängel nur bedingt zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet, so erteilt die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis mit Beschränkungen oder unter Auflagen, wenn dadurch das sichere Führen von Kraftfahrzeugen gewährleistet ist."

Anlage 4 zur Fahrerlaubnis-Verordnung FeV (Eignung und bedingte Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen) enthält eine Aufstellung „häufiger vorkommende Erkrankungen und Mängel, die die Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen längere Zeit beeinträchtigen oder aufheben können“.

https://www.gesetze-im-internet.de/fev_2010/anlage_4.html


"Für die Begutachtung der Fahreignung werden die Fahrerlaubnisklassen (Führerscheinklassen) in zwei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe 1 umfasst die Klassen A, A1, A2, B, BE, AM, L und T. Darunter fallen z.B. Mopeds, Kraft- und Leichtkrafträder, Kraftfahrzeuge bis 3,5 t, land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen. Gruppe 2 umfasst die Klassen C, C1, CE, C1E, D, D1, DE, D1E (Lastkraftwagen und Busse) und die Erlaubnis zur Beförderung von Fahrgästen (FzF)". (Quelle: Positionspapier der DGNR, DGNB, DGN, DGNC, DSG, GNP 2018)


Der TÜV bietet einen Fahreignungscheck an:

https://www.tuev-nord.de/de/privatkunden/verkehr/psychologie-medizin-mpu/aerztliche-gutachten/


Einige Fahrschulen bieten neben einer Führerscheinausbildung auch Umschulung sowie Nachholung von Fahrpraxis mit einem Behindertenfahrzeug an. Die Bundes-vereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. hat in 06/2018 eine Liste der Fahrschulen, die Fahrunterricht mit einem Behindrtenfahrzeug anbieten, zusammengestellt:

https://www.fahrlehrerverbaende.de/sixcms/media.php/2448/Behindertenausbildung.pdf


Der Bundesverband für Aphasie hat eine Broschüre "Aphasie und Autofahren - Die wichtigsten Tipps" herausgegeben, die kostenlos zu beziehen sind; nach Erhalt sind lediglich die Versandkosten als Spende zu überweisen:

https://aphasiker.de/service/info-material


Weitere Informationen sind auf folgenden Internetseiten zu finden:

https://www.schlaganfall-hilfe.de/autofahren/nach-schlaganfall-in-wenigen-schritten-sicher-mobil
https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/autofahren
https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/verkehrsmedizin/wiedererlangung-fahreignung/




URLAUB BARRIEREFREI

Umfassende Informationen über das "Bahnfahren ohne Barrieren" liefern die folgenden Broschüren der Deutschen Bundesbahn DB:

https://www.bahn.de/p/view/service/barrierefrei/gehbehindert.shtml
https://www-ak.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/zielgruppen_-_msc/handicap/mdb_246263_broschuere_reisen_fuer_alle_bf.pdf


Einmal im Jahr führt der ADAC Nordrhein einen "Tag des barrierefreien Reisens"  im barrierefreien Stadt- und Tagungshotel Franz in Essen durch. Der Termin für 2022 steht noch nicht fest (Stand Februar 2022).

Der ADAC hat in 2021 eine  Freizeit- und Reisebroschüre herausgebracht, in der auch barrierefreie Workshops und Reiseziele vorgestellt werden:

https://assets.adac.de/image/upload/v1610102799/ADAC-Regionalclubs/NRW/PDFs/Freizeitbroschuere2021.pdf


Das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e. V. führt seit dem letzten Jahr ein Projekt zum barrierefreien Tourismus durch, das sich die Einführung des Kennzeichnungssystems „Reisen für Alle“  in Deutschland zum Ziel gesetzt hat. Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Seit März 2020 wird es in allen Bundesländern  als Kennzeichnungssystem eingesetzt. Bisher haben bereits mehr als 3.000 Betriebe daran teilgenommen, die man auf folgender Internetseite findet:

https://www.reisen-fuer-alle.de/zertifizierte_angebote_249.html


Über 40 Hotels (vorwiegend in Deutschland) haben sich zu einem Verbund inklusiver Hotelbetriebe unter dem Namen "Embrace-Hotels" zusammengeschlossen und sind auf folgender Internetseite zu finden:

https://embrace-hotels.de/index.php/embrace-2.html


Das westfälische Reiseunternehmen RUNA existiert bereits seit 2006 und hat sich auf barrierefreie Pauschalreisen spezialisiert:

https://www.runa-reisen.de/



Der Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF) Darmstadt hat bereits 1986 den Euro-Schlüssel auf den Markt gebracht.  Mit diesem Schlüssel lassen sich WC-Anlagen an Autobahnen, Autobahn-Behindertentoiletten, WC-Anlagen in Bahnhöfen, in Fußgängerzonen, in vielen Museen und Behörden öffnen. Den Schlüssel kann man direkt beim CBF Darmstadt bestellen:

https://cbf-da.de/de/angebote/shop/euro-wc-schluessel/




REHABILITATION

Rehabilitation bedeutet wörtlich übersetzt "Wiederherstellung". Laut dem neunten Sozialgesetzbuch  (SGB IX "Rehabiltation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen") umfasst Rehabilitation die Leistungen, die behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen erhalten, "um ihre Selbstbestimmung und ihre volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu fördern, Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken "(SGB IX, § 1). Dabei handelt es sich um Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, zur Teilhabe am Arbeitsleben, zur Teilhabe an Bildung, zur sozialen Teilhabe und um unterhaltssichernde und ergänzende Leistungen (SGB IX, § 5).


Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation des Erwachsenen


 

Wie schon am Anfang dieser Seite erwähnt muss nicht jede Phase der neurologischen Rehabilitation durchlaufen werden. Je nach Pflegebedürftigkeit bzw. Selbständigkeit des Patienten (meist ermittelt durch den Barthel-Index) kann sich direkt an die Phase A die Phase C oder D anschließen.


Die wichtigsten Kostenträger für  Rehabilitationsmaßnahmen sind die Krankenkassen, die gesetzliche Rentenversicherung und die Berufsgenossenschaftliche Unfallversicherung. Ist unklar, wer der zuständige Kostenträger ist, sind in der Regel die Krankenkassen vorleistungspflichtig.

 

Die gesetzlichen Krankenkassen sind zuständig

  • wenn kein Arbeitsunfall und keine Berufskrankheit vorliegt
  • wenn keine Verminderung der Erwerbstätigkeit vorliegt oder droht
  • bei Reha-Leistungen für Altersrentner ("Reha vor Pflege")

Detaillierte Informationen erhält man auf den Internetseiten der gesetzlichen Krankenkassen.



Die gesetzliche Rentenversicherung ist grundsätzlich bei Menschen im erwerbsfähigen Alter zuständig ("Reha vor Rente"). Detaillierte Informationen erhält man auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Home/home_node.html



Die gesetzliche Unfallversicherung (Berufsgenossenschaften und Unfallkassen) gleicht als Pflichtversicherung Gesundheitsschäden aus, die Versicherte infolge einer versicherten Tätigkeit erleiden. Sie ist unter anderem zuständig

  • bei Arbeitsunfall  (auch Wegeunfall)
  • bei Unfall in einer Rehabiltationseinrichtung
  • bei Berufskrankheit

Detaillierte Informationen erhält man auf den Internetseiten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG):

https://www.dguv.de/de/index.jsp
https://www.svlfg.de/



Phasen A,B und C der neurologischen Rehabilitation

Auf diese Phasen bin ich bereits am Anfang dieser Seite eingegangen.



Phase D der neurologischen Rehabilitation

Auch die medizinische Leistungen der Phase D der neurologischen Rehabilitation sollen eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abwenden, beseitigen, mindern, ausgleichen, ihre Verschlimmerung verhüten oder ihre Folgen mindern.

In der Regel hat man alle  4 Jahre  Anspruch auf eine erneute medizinische Rehabilitationsmaßnahme. Folgende Voraussetzungen sind dabei zu erfüllen:

  • Rehabilitationbedürftigkeit (medizinische Notwendigkeit)
  • Rehabilitationsfähigkeit (der Patient ist in der Lage, die Rehamaßnahmen durchzuführen)
  • positive Gesundheitsprognose ( die Rehabilitationsziele sind in einem realistischen Zeitrahmenerreichbar)
  • ggf. teilweise oder erhebliche Gefährdung der Erwerbsfähigkeit

Die medizinische Rehabilitation der Phase D kann stationär oder ambulant erfolgen. Beide Formen haben aus meiner Sicht Vor- und Nachteile. Bei der stationären Rehabilitation kann man sich zwischen den Therapien oder mittags in seinem eigenen Bett ausruhen. Nachteilig könnte die Lage der Rehabilitationsklinik sein: Unter Umständen liegt die Klinik weit vom Wohnort entfernt, so dass Besuche von Angehörigen erschwert sind. In der ambulanten Rehabilitation entspricht  die tägliche Therapiedichte und Therapiedauer (bis zu sechs Stunden) in der Regel der der stationären Rehabilitation. Für die Pausen stehen in der ambulanten Rehabilitationseinrichtung bzw. Tagesklinik zwar Ruhezonen oder Ruheräume  zur Verfügung, diese sind aber aus meiner Sicht nicht vergleichbar mit dem Ausruhen im eigenen Bett. Hinzu kommt die Hin- und Rückfahrt: Wählt man die Beförderung mit dem hauseigenen Fahrdienst, kann eine Fahrt bis zu 1 1/2 Stunden dauern (Fahrzeit mit dem PKW auf direktem Wege: 20 Minuten), da man nicht der einzige Fahrgast ist. Mein Fazit: Für eine ambulante Rehabilitation muss man schon relativ fit sein!

Bei Schlaganfallbetroffenen kann die medizinische Rehabilitation der Phase D je nach Alter in einer neurologischen  oder geriatrischen Einrichtung erfolgen. Für einen älteren pflegebedürftigen Schlaganfallbetroffenen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Begleiterkrankungen macht eine geriatrische Rehabilitation durchaus Sinn. Die anderen älteren Schlaganfallbetroffenen profitieren jedoch von der hohen Therapiedichte in einer neurologischen Einrichtung.


Auf den folgenden Internetseiten kann man sich über Rehabilitationskliniken für Erwachsene und Rehabilitationseinrichtungen für Kinder informieren:

https://www.rehakliniken.de/
https://www.schlaganfall-hilfe.de/fileadmin/files/SDSH/Medien-_und_Warenkorb/rehakliniken-kindlicher-schlaganfall.pdf



IRENA - Intensivierte Rehabilitationsnachsorge

IRENA kann beantragt werden, wenn die Rentenversicherung Kostenträger der vorausgegangen Rehabilitation ist. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Erwerbsfähigkeit muss über 3 Std. pro Tag vorhanden sein.
  • Es darf kein Rentenantrag gestellt worden sein.

Arbeitslosigkeit bzw. weitere Krankschreibung sind kein Hindernis.

IRENA beginnt innerhalb von drei Monaten nach Ende der medizinischen Rehabilitation und muss innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen sein. Die Durchführung von IRENA findet ausschließlich in stationären und ganztägig ambulanten Rehabilitationseinrichtungen statt.

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Reha/Reha-Nachsorge/IRENA/irena_node.html


In Bonn und Umgebung finden sich auf der Seite der deutschen Rentenversicherung folgende Anbieter von IRENA:

https://www.nachderreha.de/




Phase E     Medizinisch-Berufliche bzw. Berufliche Rehabilitation


Laut SGB IX, § 49 (1) werden Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) erbracht, um die Erwerbsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen oder von Behinderung bedrohter Menschen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern, herzustellen oder wiederherzustellen und ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst auf Dauer zu sichern.

Leistungen zur  Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) nach SGB IX sind z. B. Hilfen zur Erhaltung oder Erlangung eines Arbeitsplatzes wie begleitete Belastungserprobung, Unterstützung im Betrieb, Training am Arbeitsplatz,  (begleitete) Qualifizierung, Arbeitsassistenz etc.

Die Leistungen zur  Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) werden finanziert von der gesetzlichen Rentenversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung, der Kriegsopferversorgung und -fürsorge, der Bundesagentur für Arbeit, der Träger der Sozialhilfe sowie der öffentlichen Jugendhilfe.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht für LTA zuständig.


Medizinisch-Berufliche Rehabilitation

Das Angebot der medizinisch-beruflichen Rehabilitation richtet sich an Menschen, die aufgrund von schweren krankheitsbedingten Leistungseinschränkungen umfassende diagnostische und therapeutische Leistungen benötigen. Dabei werden sowohl Leistungen der medizinischen Rehabilitation (Ergotherapie, Phsiotherapie, Logopädie etc.) als auch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) angeboten:

  • Belastungserprobung (Feststellung der körperlichen, geistigen und psychischen Belastbarkeit für eine Berufsausbildung, die Wiederaufnahme des  "alten" Berufes oder eine Umschulung) 
  • Arbeitserprobung (Herausfinden der eigenen Fähigkeiten, Stärken und Einschränkungen in Bezug auf einen Beruf)
  • Klärung, ob der zukünftige Ausbildungsplatz bzw. der "alte" Arbeitsplatz an die Leistungseinschränkungen angepasst werden muss (z. B. technische Hilfen)

Vorrangiges Ziel der medizinisch-beruflichen Rehabilitation für Diejenigen, die vor dem Schlaganfall berufstätig waren, ist die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz. Wenn dies nicht möglich sein sollte,  wird beim gleichen Arbeitgeber eine betriebliche Umsetzung auf einen behinderungsgerechteren Arbeitsplatz angestrebt.


Umfangreiche Informationen  zur beruflichen Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen findet man bei REHADAT. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V., gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ( BMAS) aus dem Ausgleichsfonds.

https://www.rehadat.de/


Auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft der medizinisch-beruflichen Rehabilitationseinrichtungen (BAG MBR) erhält man weitere Informationen sowie Adressen der Rehabilitationseinrichtungen, die eine medizinisch-berufliche Rehabilitation anbieten:

https://www.mbreha.de/



In der Liste der BAG MBR finden sich auch folgende zwei Kliniken in Vallendar und Bremen, über die ich bereits in der Zeitschrift des Bundesverbandes Aphasie und der Zeitschrift der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe THALA gelesen habe.

Der Bundesverband Rehabilitation BDH beschreibt sich als die größte deutsche Fachorganisation auf dem Gebiet der Rehabilitation von neurologischen Patienten. Der BDH unterhält einige eigene Kliniken, unter anderem eine Klinik in Vallendar/Rheinland-Pfalz:

https://www.bdh-klinik-vallendar.de/bdh-klinik-vallendar/index.php


In Kooperation mit dem Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen bietet das BFW Friedehorst für Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen eine Abklärung der beruflichen Eignung an:

https://www.friedehorst.de/abklaerung-der-beruflichen-eignung/abklaerung_neurologisch-beeintraechtigte.php



Im Jahr 2018 habe ich im Rahmen der Würzburger Aphasietrage einen sehr interessanten Workshop zum Thema "Berufliche Teilhabe" besucht und so die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gemeinnützige Gesellschaft mbH kennengelernt. Die FAW bietet auch speziell für Menschen mit neurologischen Einschränkungen ein Reha-Management sowie die Möglichkeit an, sich in einem FAW-Tagestrainingszentrum in Kamen auf den (Wieder-)Einstieg in den Beruf vorzubereiten:

https://www.faw.de/berufliche-rehabilitation-inklusion/neurospezifische-angebote
https://www.faw-btz.de/tagestrainingszentren/was-wir-tun
https://www.faw-btz.de/ttz-kamen



Berufliche Rehabilitation

Die berufliche Rehabilitation dient der Ausbildung (in Berufsbildungswerken BBW) oder Umschulung (in Berufsförderungswerken BFW) von Menschen mit schweren krankheitsbedingten Leistungseinschränkungen.


Berufsbildungswerke (BBW)

Die Berufsbildungswerke dienen der beruflichen Erstausbildung von behinderten Jugendlichen, die auf besondere Unterstützung angewiesen sind. Daher stehen neben dem Ausbildungspersonal auch ärztliche, psychologische und sozialpädagogische Fachkräfte zur Verfügung.

Inzwischen gibt es in Deutschland über 50 Berufsbildungswerke, die sich auf unterschiedliche Behinderungsarten spezialisiert haben. Bei Bedarf werden in den Berufsbildungswerken auch vorab Maßnahmen zur Abklärung der beruflichen Eignung, der Arbeitserprobung und der Berufsvorbereitung durchgeführt.

Auf der Internetseite der Bundesarbeitsgemeinschaft Berufsbildungswerke (BAGBW) findet man detaillierte Informationen:

https://www.bagbbw.de/


Folgende beiden Berufsbildungswerke sind Mitglied in der BAGBW und liegen in der Nähe von Bonn:

https://www.cjd-bbw-frechen.de/
https://bbw-neuwied.de/



Berufsförderungswerke (BFW)

Das Angebot der Berufsförderungswerke richtet sich an behinderte Erwachsene, die bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können. Ebenso wie in den Berufsbildungswerken stehen neben dem Ausbildungspersonal auch ärztliche, psychologische und sozialpädagogische Fachkräfte zur Verfügung. Inzwischen gibt es in Deutschland 28 Berufsförderungswerke, die sich auf unterschiedliche Behinderungsarten spezialisiert haben.

Auf der Internetseite des Bundesverbandes der Berufsförderungswerke findet man detaillierte Informationen:

https://www.bv-bfw.de/home.html


Folgende beiden Berufsförderungswerke (BFW Friedehorst und BFW Hamburg) haben sich auf die berufliche Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Einschränkungen spezialisiert:

https://www.friedehorst.de/abklaerung-der-beruflichen-eignung/abklaerung_neurologisch-beeintraechtigte.php
https://www.bfw-hamburg.de/reha-assessment/rehaassessment-neuro/


Das BFW Heidelberg hat speziell für Menschen mit Aphasie ein Modell zur beruflichen Rehabilitation entwickelt:

https://www.bfw-heidelberg.de/berufliche-reha/reha-assessment/heidelberger-aphasie-modell/



Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)

Werkstätten für Behinderte sind Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation für behinderte Menschen, die (noch) nicht auf dem freien Arbeitsmarkt tätig sein können. Diese Einrichtungen umfassen sowohl einen Berufsbildungs- als auch einen Arbeitsbereich. Laut SGB IX, § 219 soll eine Werkstatt für Behinderte über ein möglichst breites Angebot an Berufsbildungs- und Arbeitsplätzen verfügen; auch  ausgelagerte Plätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sollen angeboten werden. Weitere Voraussetzungen für die offizielle Anerkennung als Werkstatt für Behinderte ist das Vorhandensein von qualifiziertem Personal und einem begleitenden Dienst (sozialpädagogische,  pflegerische und therapeutische Fachkräfte). Laut Werkstättenverordnung müssen zudem die besondere ärztliche Betreuung der behinderten Menschen in der Werkstatt und die medizinische Beratung des Fachpersonals der Werkstatt durch einen Arzt vertraglich sichergestellt sein.


In der Broschüre der ALEXIANER Köln  "Wieder neu leben lernen" werden unter anderem auch die Aufgaben des  ZenE (Zentrum für neurologische Erkrankungen) mit Sitz in Köln beschrieben (Seiten 10 und 11). Betroffene im erwerbsfähigen Alter  sowie deren Angehörige werden von ZenE beraten und vielfältig unterstützt.

https://www.alexianer-koeln.de/fileadmin/user_upload/Koeln_Rhein-Sieg/Leistungen/Broschu__re_neuleben_Mail.pdf


In den Alexianer Werkstätten in Köln werden Menschen mit psychischer Erkrankung, erworbenen neurologischen Erkrankungen oder Diagnosen aus dem Autismus-Spektrum gefördert:

https://www.alexianer-werkstaetten.de/koeln/




BERUFLICHE WIEDEREINGLIEDERUNG


Für die Teilhabe schwerbehinderter Menschen und Ihnen gleichgestellter Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sind vorrangig die Inklusionsämter (ehemals Integrationsämter) zuständig. Dabei wird nicht nur dieser Personengruppe, sonden auch den Arbeitgebern Unterstützung angeboten. Die begleitende Hilfe im Arbeitsleben wird in enger Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit und den übrigen Rehabilitationsträgern durchgeführt.

In Nordrhein-Westfalen ist das Inklusionsamt beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) angesiedelt:

https://www.lvr.de/de/nav_main/soziales_1/inklusionsamt/wir_ueber_uns/das_lvr_integrationsamt/integrationsamt.jsp


Bei allen Handwerks- sowie einigen Industrie- und Handelskammern im Rheinland sind Inklusionsfachberater*innen im Auftrag des Inklusionsamtes des Landschaftsverbandes Rheinland (kurz LVR) tätig:

https://www.lvr.de/de/nav_main/soziales_1/inklusionsamt/fachberatung/kammerberatung/kammerberatung.jsp


Den Inklusionsfachberater bei der IHK Rhein-Sieg, Herrn Ali Atak, habe ich 2019 bei der inklusiven Jobbörse in Bad Godesberg persönlich kennengelernt. Mich hat tief beeindruckt, wie er nach seinem Schlaganfall 2014 sein Leben wieder in den Griff bekommen hat. Ein Interview mit Ali Atak / Inklusionsfachberater bei der IHK Rhein-Sieg, kann man in der IHK-Zeitschrift "Die Wirtschaft" vom Mai 2017 lesen (Seiten 22/23):

https://www.ihk-bonn.de/fileadmin/wirtschaft_mai2017/#13


Im Auftrag des LVR arbeitet auch der  Integrationsfachdienst Bonn/Rhein-Sieg (IFD). Er informiert, berät, und unterstützt bei Fragen und Schwierigkeiten am Arbeitsplatz:

https://www.ifd-bonn.de/


In Ergänzung zu den oben genannten Fachberatungen des Inklusionsamtes hat sich in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ein Netzwerk aus Gebietskörperschaften und regionalen Unternehmen "Bonn RheinSieg fair-bindet" gebildet, das sich gemeinsam für einen inklusiven Arbeitsmarkt in dieser Region einsetzt:

https://www.bonn-rhein-sieg-fairbindet.de/



Das LVR-Inklusionsamt biete über die Fachberatungen auch Unterstützung bezüglich der Durchführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) an.

Nach SGB IX, § 167 (2) iwird BEM folgendermaßen definiert: "Sind Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig, klärt der Arbeitgeber mit der zuständigen Interessenvertretung im Sinne des § 176, bei schwerbehinderten Menschen außerdem mit der Schwerbehindertenvertretung, mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person die Möglichkeiten, wie die Arbeitsunfähigkeit möglichst überwunden werden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeitsunfähigkeit vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann (betriebliches Eingliederungsmanagement)."

Zum BEM gehört auch die stufenweise Wiedereingliederung am Arbeitsplatz  (SGB V, § 74), auch "Hamburger Modell" genannt: Arbeitnehmer*innen, die wegen Unfall oder Krankheit  länger arbeitsunfähig waren, arbeiten zunächst nur einige Stunden und werden allmählich an die Belastungen ihres Arbeitsplatzes herangeführt.  Dabei sind die Arbeitnehmer*innen weiter krankgeschrieben und erhalten daher Krankengeld statt Lohn. Diese Phase der Wiedereingliederung kann 6 Wochen bis zu 6 Monaten betragen.